
300 Jahre Tradition: Gloria-Singen lockt nach Soest
Für echte Soesterinnen und Soester beginnt der Heilige Abend erst mit dem Gloria-Singen vom Turm der St.-Petri-Kirche um 19 Uhr. Mehr als 40 Mitwirkende vom Archigymnasium stimmen die jahrhundertealte Tradition an, während Tausende in erwartungsvoller Stille zuhören.
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.12.2025 08:00
An Heiligabend kurz vor 19 Uhr verlöschen traditionsgemäß die Lichter auf dem Petrikirchhof im Herzen der alten Hansestadt. Im Dunkeln stehen Tausende von Menschen und blicken erwartungsvoll auf den Turm der Petrikirche. Dort, auf dem 40 Meter hohen Turmumgang, leuchten nur noch Laternen. Wenn dann die sieben Schläge der Kirchturmuhr verhallt sind, beginnt die wohl schönste aller Soester Weihnachtsfeiern: das Soester „Gloria". Mehr als drei Jahrhunderte hat dieser Brauch bereits überlebt und gilt als die älteste ökumenische Veranstaltung überhaupt.
Über 40 Mitwirkende gestalten den Heiligabend
Mehr als 40 Mitwirkende vom Archigymnasium sowie Musikfreunde aus Soest stimmen als Chor und mit Blasinstrumenten ein altes Weihnachtslied an. Das „Gloria" erklingt im zweimaligen Wechsel mit dem Choral „Dies ist der Tag, den Gott gemacht" nach einem viermaligen Umgang.
Auch Menschen, die Weihnachten sonst alleine sind, könnten hier Gemeinschaft spüren, heißt es.
Soester Tradition fordert Stille und Respekt der Besucher
Das Soester „Gloria" ist eine Veranstaltung der leisen Töne. Deshalb bittet die Stadtverwaltung auch im Interesse der Akteure alle Besucher, keine laute Unterhaltung unter dem Turm zu pflegen. Auch Applaus ist weder üblich noch erwünscht. „Man kommt still und man geht still", so ist es Tradition. Dies gilt auch für Touristen und Besucher, die das Soester „Gloria" längst als Heiligabend-Attraktion entdeckt haben. Zwischen etwa 18.55 und 19.15 Uhr sollte auch die Straßen- und Kirchplatzbeleuchtung ausgeschaltet sein. Autofahrer sollten in dieser Zeit den nördlichen Petrikirchplatz weder anfahren noch verlassen.