
350 Gäste: Handwerk Hellweg-Lippe setzt Zeichen
Das organisierte Handwerk im Hellweg-Lippe-Raum hat Anfang Juli erstmals einen gemeinsamen Jahresempfang ausgerichtet. Rund 350 Gäste kamen ins HWK-Bildungszentrum Hansemann nach Dortmund-Mengede. Im Fokus standen vor allem die wirtschaftlichen Sorgen vieler Betriebe.
Veröffentlicht: Montag, 06.07.2026 04:46
Kammer und Kreishandwerkerschaften gemeinsam am Start
Das Handwerk im Kammerbezirk Dortmund hat Anfang Juli ein neues Format gestartet: Die Handwerkskammer Dortmund und die Kreishandwerkerschaften Hellweg-Lippe, Dortmund Hagen Lünen und Ruhr haben ihren Jahresempfang erstmals gemeinsam ausgerichtet. Rund 350 Gäste aus Handwerk, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen dafür ins HWK-Bildungszentrum Hansemann in Dortmund-Mengede zusammen. Bisher hatten die Organisationen ihre Veranstaltungen getrennt voneinander geplant.
„Mit unserem gemeinsamen Jahresempfang setzen wir ein klares Zeichen. Es soll künftig die zentrale Jahresveranstaltung des organisierten Handwerks im Kammerbezirk Dortmund sein: ein Ort, an dem wir uns austauschen, gemeinsam nach vorne blicken und die Themen diskutieren, die unsere Betriebe im Alltag wirklich bewegen. Gleichzeitig machen wir hier sichtbar, was das Handwerk auszeichnet: Gemeinschaft, Verantwortung und Gestaltungswillen." - Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund.
Wirtschaftliche Lage bereitet vielen Betrieben Sorgen
HWK-Präsident Berthold Schröder sprach in seiner Rede offen über die aktuelle Lage. Die Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage zeigten zwar ein stabiles Fundament, aber auch eine zunehmend schwieriger werdende Entwicklung. Viele Betriebe hätten Rückgänge bei Aufträgen, Umsatz, Investitionen und Beschäftigung gemeldet. Hinzu kommt: Zahlreiche Unternehmen haben ihre Verkaufspreise bereits erhöht - und rechnen mit weiteren Steigerungen, unter anderem wegen höherer Energie-, Material- und Lohnkosten.
Als zentrale Themen nannte Schröder Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und Betriebsnachfolge. Für den Kammerpräsidenten ist klar, dass Betriebe nur dann investieren, ausbilden und wachsen können, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.
Wolfgang Hoffmann, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr, betonte die Bedeutung des neuen Formats für die Vernetzung:
„Hier entstehen Verbindungen zwischen Menschen, die über die Grenzen der jeweiligen Kreishandwerkerschaft hinausreichen: Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Denn wenn wir die Zukunftsthemen anpacken wollen, Bürokratieabbau, Nachwuchsgewinnung, Transformation, braucht ein breites Netzwerk und verlässliche Partnerschaften. Das Handwerk ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Entwicklung unserer Region aktiv mitzugestalten." - Wolfgang Hoffmann, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr.
Ein Drittel der Betriebe plant eine Übergabe
Besonders dringlich ist laut Schröder das Thema Betriebsnachfolge. Ein Drittel der Betriebe im Kammerbezirk plant in den nächsten fünf Jahren eine Übergabe. Das stellt das Handwerk vor eine große Herausforderung - denn nicht für jeden Betrieb findet sich automatisch eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger. Jede erfolgreiche Übergabe sichere Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und regionale Wertschöpfung, so der Kammerpräsident.
Kampagne soll Mut zur Selbstständigkeit stärken
Um dem entgegenzuwirken, hat die Handwerkskammer die Kampagne "Ständig Du selbst" gestartet. Sie richtet sich an Menschen, die eine Gründung oder Betriebsübernahme im Handwerk in Betracht ziehen. Die Botschaft: Selbstständigkeit im Handwerk bedeutet nicht "selbst und ständig", sondern Freiheit, Gestaltung und Perspektive. Wer gründen oder übernehmen will, soll spüren, dass das Handwerk ihn dabei aktiv begleitet.
Kammerpräsident Schröder schloss seine Rede mit einem klaren Appell:
„Zukunft ist kein Schicksal. Zukunft ist nicht vorherbestimmt. Zukunft wird gemacht. Und zwar auf Baustellen, in Werkstätten und in unseren Betrieben. Das Handwerk möchte gestalten und anpacken. Dafür müssen wir jetzt gemeinsam die Weichen stellen." - Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund.
Festes Format für die kommenden Jahre
Der Jahresempfang Anfang Juli war der Auftakt für ein Format, das langfristig als zentrale Jahresveranstaltung des organisierten Handwerks im Kammerbezirk Dortmund weitergeführt werden soll. Kammer und Kreishandwerkerschaften wollen damit den Austausch untereinander stärken, Synergien besser nutzen und ihre Positionen nach außen mit einer gemeinsamen Stimme vertreten.