
Heim-Turnier in Berlin
Berlin (dpa) - Auf diesen Moment haben Deutschlands Basketballerinnen jahrelang hingefiebert. Heim-WM in Berlin, volle Hallen und das große Ziel einer Medaille: Jetzt gilt es für die deutsche Mannschaft. Bei ihrer erst zweiten WM-Teilnahme will das Team zumindest ein bisschen den Welt- und Europameistern um Dennis Schröder nacheifern.
«Es ist ein richtig cooles Event. Es wird hier der beste Basketball der Welt gespielt», sagte Leonie Fiebich, der große Star des Teams. Die 26-Jährige vom WNBA-Club New York Liberty muss die deutsche Mannschaft in Abwesenheit der wegen der Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung fehlenden Satou Sabally durch das Turnier tragen.
Schwerer Auftakt
Los geht es an diesem Freitag (17.45 Uhr/Prosieben und Magentasport) in der ausverkauften Uber Arena gegen Mitfavorit Spanien. Am Samstag ist dann Japan der Gegner, ehe es am Montag gegen Mali geht. Der Gruppenerste schafft es direkt ins Viertelfinale, der Zweite und Dritte spielen in den Play Ins um die letzten Tickets für die Runde der besten Acht.
«Spanien und Japan direkt nacheinander - das ist schon nicht einfach», sagte Bundestrainer Olaf Lange. Der 54-Jährige hat wie seine Trainerkollegen das Problem, dass er seinen kompletten Kader erst seit wenigen Tagen zusammen hat. Als Letzte stieß Fiebich am Wochenende zum Team, zu dem auch Nyara Sabally gehört. Die jüngere der beiden Sabally-Schwestern hat nach ihrer Wadenverletzung den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen und fühlt sich fit für die WM in ihrer Heimatstadt.
«Nyara ist ein großer Eckpfeiler unserer Mannschaft. Wir müssen in den ersten Spielen sehen, wie viel Spielzeit sie bekommt, weil wir sie immer noch ein bisschen aufbauen müssen, aber die mittelfristige Perspektive ist gut», sagte Lange. Nachdem die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes noch ohne das WNBA-Trio Fiebich, Sabally und Frieda Bühner alle drei Testspiele in der Vorbereitung verloren hatte, konnte sie positive Nachrichten gut gebrauchen. «Psychologisch ist es für die Mannschaft sehr wichtig, dass Nyara dabei ist», sagte Lange.
Lange dämpft die Erwartungen
Der Bundestrainer, der in seiner langen Trainerkarriere auf Clubebene schon fast alles gewonnen und mit zahlreichen Topstars zusammengearbeitet hat, versucht vor dem Turnierstart, etwas die Erwartungen zu dämpfen. Die Spielerinnen haben eine Medaille als Ziel ausgerufen, doch wie realistisch das ist, muss man erst noch sehen.
Schließlich spielte der deutsche Frauen-Basketball international jahrelang überhaupt keine Rolle und hat daher großen Nachholbedarf. Lange sieht das Projekt daher eher mittelfristig und schaut auch schon auf die EM im kommenden Jahr und die Olympischen Spiele 2028 in LA. «Wir haben jetzt eine WM im eigenen Land, die wollen wir positiv angehen. Ich habe ja auch gesagt, dass wir mittelfristig um Medaillen mitreden wollen. Aber wir können jetzt nicht davon ausgehen, dass wir gleich direkt um eine Medaille mitspielen», sagte der Bundestrainer.
Olympia 2024 als Mutmacher
Fiebich und Co. wollen die große Chance trotz der riesigen Konkurrenz mit Topfavorit USA, Australien, Frankreich oder Belgien beim Schopfe packen. Der Kern des Teams ist seit der Olympia-Qualifikation 2024 im brasilianischen Belém zusammen und feierte mit dem Viertelfinale bei Olympia in Paris und Platz fünf bei der EM im vergangenen Jahr erste Achtungserfolge.
«Dieses Olympia-Turnier war schon so ein Moment, wo man gedacht hat: Ok, jetzt können wir ganz oben mitspielen. Da hat man schon so ein bisschen dran geschnuppert», sagte Fiebich. «Jetzt geht es halt darum, dass wir beweisen, dass wir hierhergehören, dass wir auf diese Bühne gehören, dass wir Spiele gewinnen können.»

