
Demenz im Kreis Soest: Zahl der Betroffenen wird steigen
Im Kreis Soest werden bis 2060 voraussichtlich fast doppelt so viele Menschen an Demenz erkrankt sein wie heute. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und mehrerer Universitäten. Gleichzeitig betonen Experten, dass Prävention einen großen Unterschied machen kann.
Veröffentlicht: Montag, 06.07.2026 07:24
Zahl der Betroffenen wird steigen
Die Zahl der Menschen mit Demenz im Kreis Soest wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich wachsen. Das geht aus Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, das die Berechnungen gemeinsam mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln erstellt hat. Demnach steigt die Zahl der Betroffenen von derzeit rund 4.900 auf etwa 8.000 im Jahr 2060. Bezogen auf die Bevölkerung im Kreis Soest bedeutet das: Waren es zuletzt 1,7 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner, könnten es 2060 rund 3,2 Prozent sein. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung.
Elisabeth Groth-Hollmann, Demenzberaterin bei der Caritas im Kreis Soest, sieht in der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema aber auch eine Chance:
„...dass es wirklich aus dieser Tabuzone die Erkrankung herauskommt und dass es für uns alle leichter wird mit Menschen mit Demenz und mit ihren Angehörigen gemeinsam das Leben zu gestalten." - Elisabeth Groth-Hollmann, Demenzberaterin bei der Caritas im Kreis Soest.
Prävention kann fast die Hälfte der Fälle verhindern
Weil es bisher keine Heilung für Demenz gibt, kommt der Vorbeugung eine besondere Bedeutung zu. Dirk Schneider, Serviceregionsleiter der AOK, macht deutlich, wie groß der Handlungsspielraum ist:
„Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörigen, sondern auch für die Gesellschaft sowie das Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar. Da es bisher keine Heilung für Demenzen gibt, könnte eine gute Prävention jedoch die Effekte der Alterung der Gesellschaft auf die Häufigkeit von Demenzen kompensieren." - Dirk Schneider, AOK-Serviceregionsleiter.
Nach aktuellem Stand der Wissenschaft könnte fast die Hälfte aller Demenz-Neuerkrankungen durch gezielte Maßnahmen verhindert werden. Dazu gehören ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Auch eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen kann das Risiko senken - ebenso wie die Vermeidung sozialer Isolation. Die AOK NordWest bietet ihren Versicherten dazu verschiedene Angebote an, von Gesundheitskursen in Präsenz und online bis hin zu Gesundheits-Check-Ups.
Weniger Versorger für mehr Betroffene
Die Prognosen zeigen noch eine weitere Herausforderung: Während die Zahl der Demenzfälle steigt, schrumpft gleichzeitig die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter, die die Versorgung schultern können. Im Jahr 2020 kamen auf einen Demenzfall noch rund 37 Personen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren. Bis 2060 soll sich dieses Verhältnis auf etwa 16 Personen je Demenzfall verschlechtern. Das bedeutet: Deutlich mehr Betroffene werden von deutlich weniger Menschen versorgt werden müssen. Innovative Wohnformen und gut vernetzte Unterstützungsstrukturen aus Angehörigen, Ehrenamtlichen und Pflegefachkräften gewinnen damit an Bedeutung. In Westfalen-Lippe fördert die AOK NordWest nach eigenen Angaben bereits zahlreiche solcher Demenz-Netzwerke vor Ort.
So kann man mit Demenzkranken umgehen
Für den Alltag mit demenzkranken Menschen gibt Elisabeth Groth-Hollmann von der Caritas im Kreis Soest konkrete Hinweise. Ihr ist besonders wichtig, dass Betroffene so lange wie möglich selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilhaben können - etwa beim Einkaufen:
„Menschen mit Demenz sollen so selbstbestimmt wie möglich noch mit uns leben können. Und dazu ist es notwendig, dass Verkäufer oder überhaupt andere im öffentlichen Leben erkennen können, das kann vielleicht eine Demenzerkrankung sein." - Elisabeth Groth-Hollmann, Demenzberaterin bei der Caritas im Kreis Soest.
Wer einem demenzkranken Menschen begegnet, sollte laut Groth-Hollmann vor allem Ruhe und Sicherheit vermitteln und möglichst einfache, kurze Sätze verwenden.