
Brasilien tanzt wieder - und sorgt sich um Raphinha
Veröffentlicht: Samstag, 20.06.2026 04:17
Fußball-WM
Philadelphia (dpa) - Matheus Cunha jubelte im Surfer-Stil, auf den Rängen tanzten die vielen Fans in ihren gelben Trikots. Die Erleichterung war den Brasilianern nach ihrem ersten Sieg bei dieser Fußball-WM anzusehen. Doch es gab auch schlechte Nachrichten für den fünfmaligen Weltmeister beim 3:0 (3:0) gegen Haiti: Offensiv-Ass Raphinha hat sich womöglich verletzt. Und: Wie ein Titelkandidat hat sich die Seleção auch diesmal nicht präsentiert.
Immerhin: Die Brasilianer liegen auf K.o.-Runden-Kurs. Und Altstar Neymar steht für das letzte Gruppenspiel gegen Schottland wohl auch zur Verfügung, wie Trainer Carlo Ancelotti ankündigte. Zwei Stürmer in Torlaune, einer angeschlagen, ein weiterer vor dem Comeback - es war viel los bei den Südamerikanern rund um ihren zweiten Auftritt bei diesem XXL-Turnier. Für den karibischen Außenseiter Haiti ist das WM-Abenteuer nach der Vorrunde vorbei.
Oberschenkelprobleme bei Raphinha
«Für den Moment kann ich dazu nichts sagen», meinte Ancelotti zu Raphinhas Beschwerden. Der 29-Jährige vom FC Barcelona habe «Schmerzen in der rechten hinteren Oberschenkelmuskulatur» verspürt, teilte der brasilianische Verband kurz später mit. Raphinha werde behandelt und weiter untersucht.
Der Offensivmann war kurz vor der Pause der Partie in Philadelphia erst in die Hocke und dann vom Platz gegangen. Nach dem Abpfiff winkte Raphinha mit gequälter Miene ins Publikum. Sollte er ausfallen, wäre das ein herber Verlust für die Brasilianer bei ihrer ohnehin schon so kniffligen Titelmission.
Ancelotti erwartet weitere Steigerung
«Es war ein gutes Spiel. Wir mussten uns verbessern, wir haben uns verbessert und wir werden uns weiter verbessern müssen», resümierte Trainer Ancelotti. Nach dem mauen Auftritt beim 1:1 zum Auftakt gegen Marokko lag viel Druck auf der Seleção. Das konnte man auch daran erkennen, wie euphorisch sie ihre Tore durch Ex-Bundesliga-Profi Cunha (23. und 36. Minute) und Topstar Vinícius Júnior von Real Madrid (45.+3) bejubelte. Nicht nur die Feldspieler, sondern auch sämtliche Reservisten kamen dabei angestürmt.
Cunha, früher bei RB Leipzig, Hertha BSC und inzwischen bei Manchester United, traf erst mit Glück und dann wuchtig. Vinícius Júnior, der schon gegen Marokko getroffen hatte, machte noch in der ersten Halbzeit alles klar.
Engagiert, aber weitgehend glanzlos
«Das Wichtigste heute war unser Engagement», sagte Brasiliens Mittelfeld-Routinier Casemiro. «Wir waren von der ersten Minute an engagiert.» Das waren sie wirklich, die Brasilianer. Phasenweise verspürten sie offenbar auch wieder mehr Lust als Last. Den Glanz von einst versprühen sie bisher aber nicht.
In der zweiten Halbzeit waren die leidenschaftlich verteidigenden, offensiv aber weitgehend harmlosen Haitianer einmal ganz nah dran am Ehrentreffer: Ricardo Aké scheiterte per Kopf am stark reagierenden Brasilien-Keeper Alisson.
Trotz Niederlage: Besonderer Tag für Haiti
Für den Underdog, der erstmals seit 1974 wieder bei einer WM mitmischt, ist nach dem letzten Spiel in der Gruppe C gegen Marokko Schluss. «Wir waren weit von dem entfernt, was wir zeigen wollten», sagte Trainer Sébastien Migné. Seine Mannschaft habe sich «ein bisschen zu naiv» angestellt und zu viele Fehler gemacht, analysierte der Franzose. So war letztlich nichts zu holen.
Für Haiti, dieses von Armut, Bandengewalt, Korruption, Hunger und politischer Instabilität geprägte Land, war es dennoch ein Festtag. Auf dieser Bühne zu spielen. Dazu noch gegen den Rekordweltmeister. Von ihren Fans wurden die Karibik-Kicker gefeiert. Gegen Marokko wollen die Haitianer die WM erhobenen Hauptes zu Ende bringen. Für Brasilien geht sie womöglich erst so richtig los.

