
Forvia Hella: Scheinwerfer sollen recycelbar werden
Autoscheinwerfer werden heute meist nur einmal verbaut, danach landen sie im Müll. Der Lippstädter Autozulieferer Forvia Hella will das mit dem neuen Forschungsprojekt KOLLEKT ändern. Gemeinsam mit Partnern wie BMW und mehreren Forschungsinstituten soll der Scheinwerfer von morgen reparierbar, wiederverwendbar und recycelbar werden.
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Vom Einwegprodukt zur Ressource
Ein Autoscheinwerfer hat heute eine klare Bestimmung: Er wird eingebaut, erfüllt seinen Zweck - und landet am Ende seines Lebens im Müll. Genau das will der Lippstädter Autozulieferer Forvia Hella mit dem Forschungsprojekt KOLLEKT grundlegend verändern. Das Ziel: Fahrzeugkomponenten sollen von Anfang an so entwickelt werden, dass sie nicht nur einmal genutzt werden können. Stattdessen sollen Materialien möglichst lange im Kreislauf bleiben.
"Unser Ziel ist es, Kunststoffe, Elektronik und Komponenten aus Altfahrzeugen möglichst lange in einem Kreislauf zu halten. Dafür wollen wir Produkte reparieren, Komponenten wiederverwenden und verwendete Materialien nach dem Produktlebensende zu hochwertiger Neuware aufbereiten." - Mathias Niedling, verantwortlich für Nachhaltigkeit im Lichtbereich bei Forvia Hella.
Design for Circularity: Die vier R-Strategien
Der Fachbegriff hinter dem Projekt lautet "Design for Circularity" - also eine Produktgestaltung, die von Beginn an auf Wiederverwertbarkeit ausgelegt ist. Im Projekt KOLLEKT stützt sich dieser Ansatz auf vier Strategien: Repair (Reparatur), Re-Use (Wiederverwendung), Remanufacture (Wiederaufbereitung) und Recycle (stoffliche Verwertung). Das Problem heute: Scheinwerfer sind auf eine einmalige Lebensdauer und eine möglichst einfache Montage ausgelegt - eine Reparatur ist kaum vorgesehen. KOLLEKT soll erforschen, wie das in Zukunft anders aussehen kann.
"Heute werden sowohl Scheinwerfer, ebenso wie viele andere Produkte, noch selten in echten Kreisläufen genutzt. Wir erforschen daher, wie wir Materialien länger im Einsatz halten, wiederverwenden und so den Ressourcenverbrauch deutlich reduzieren können. In anderen Worten: Wir schauen uns gemeinsam mit unseren Partnern an, wie der Scheinwerfer von heute zu einem Rohstoff für morgen werden kann. Das liefert nicht zuletzt wichtige Erkenntnisse für unser Ziel, eine klimaneutrale Wertschöpfungskette zu erreichen." - Dr. Michael Kleinkes, verantwortlich für die Entwicklung im Lichtbereich bei Forvia Hella.
KI-Roboter zerlegen Scheinwerfer automatisch
Ein zentrales technisches Element des Projekts ist eine sogenannte flexible Demontagezelle. KI-gestützte Roboter zerlegen darin die Scheinwerfer automatisch in ihre Einzelteile - und das möglichst sortenrein, damit die Materialien anschließend gezielt weiterverwertet werden können. Die Grundlage dafür bildet ein digitaler Produktzwilling: ein virtuelles Abbild des Bauteils, das dem Roboter genau zeigt, wie der Scheinwerfer aufgebaut ist und wie er sich präzise auseinandernehmen lässt. Im Anschluss werden Kunststoffe und andere Materialien sortiert, charakterisiert und recycelt - sowohl mechanisch als auch teilweise chemisch.
"Scheinwerfer, aber auch andere Produkte, sollen leichter repariert und recycelt werden können. Dadurch werden Ressourcen geschont, CO2-Emissionen reduziert und die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen verringert. Die im Projekt entwickelten Methoden sollen zudem auf weitere Branchen übertragbar sein. Somit unterstützt das Projekt einen industrieübergreifenden Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten. Von diesem profitieren am Ende dann auch wir wieder." - Mathias Niedling, verantwortlich für Nachhaltigkeit im Lichtbereich bei Forvia Hella.
Starkes Partnernetzwerk - auch aus der Region
Forvia Hella forscht bei KOLLEKT nicht allein. Mit dabei sind unter anderem BMW, der Werkstoffhersteller Covestro, Geba, die Fraunhofer-Institute IEM und UMSICHT, die Universität Paderborn, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf sowie die Firma SW Maschinenservice. Auch die Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) ist Teil des Verbunds, für den Standort Lippstadt eine besonders naheliegende Zusammenarbeit.
Drei Jahre Forschung, staatlich gefördert
Das Projekt KOLLEKT ist auf drei Jahre angelegt. Finanziert wird es vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie CircularGlowUp. Betreut wird es durch den Projektträger Karlsruhe. KOLLEKT baut dabei auf dem Vorgängerprojekt NALYSES auf, das 2026 erfolgreich abgeschlossen wurde. Während NALYSES vor allem nachhaltige Produktgestaltung und Materialstrategien in den Blick genommen hat, geht KOLLEKT einen Schritt weiter: Jetzt steht die gesamte kreislauffähige Wertschöpfungskette auf dem Prüfstand - vom Entwurf bis zum Recycling.