
Großer Polizeieinsatz
Gosen-Neu Zittau (dpa) - Die Polizei führt Jugendliche und ihre Eltern vom Schulhof - einige von ihnen weinen. Drei Stunden vorher hat sich an der Schule in Gosen-Neu Zittau in Ostbrandenburg bei Berlin eine erschütternde Tat abgespielt: Ein 19 Jahre alter Deutscher soll zwei Menschen getötet haben. Eine Frau und einen Mann - die Frau soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seine Ex-Freundin gewesen sein, bei dem Mann soll es sich um den Hausmeister der Schule handeln. Beide Opfer starben laut Polizei trotz sofortiger medizinischer Versorgung noch vor Ort an ihren Verletzungen. Der RBB schrieb, dass das weibliche Opfer eine 18 Jahre alte Schülerin sei. Dies bestätigte die Polizei bisher nicht.
Nach der Gewalttat nahmen die Einsatzkräfte den Verdächtigen vorläufig fest. Auf der Plattform X schrieb die Polizei Brandenburg zuvor von einem Einsatz gemeinsam mit dem Rettungsdienst: «Wir sichern aktuell den Tatort.»
Gegen 13.45 Uhr seien die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Zunächst gab es Gerüchte um eine Amoktat an der Schule, was sich aber vorerst nicht bestätigte. «Nach den bisherigen Erkenntnissen gehen die Ermittler von keiner Amok-, sondern einer Beziehungstat aus», erklärte die Polizei.
Am Abend kommen etwa 70 Kinder und Erwachsene mit Blumen und Kerzen zu einem Gedenken. Es wird laut geweint, Kuscheltiere werden niedergelegt. Die Menschen umarmen sich.
Landtagspräsidentin spricht von «feigem Femizid»
Die Polizei ist vorsichtig und sparsam mit konkreten Auskünften und Details zu Alter der Getöteten, Tatwaffe und Motiv. Viele Fragen sind kurz nach der Tat noch unbeantwortet. In einem Schreiben ruft die Polizei auf, sich bei Hinweisen zur Tat bei ihr zu melden.
Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke bezeichnete die Tat als «feigen Femizid, der in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf». Wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden - also weil sie Frauen sind - spricht man von Femiziden. Als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.
Schüler harren in einer Turnhalle aus
Notfallseelsorger sind vor Ort und betreuen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Angehörige. Einige Minderjährige befanden sich noch am späten Nachmittag in der Turnhalle, wurden mit Getränken versorgt und später von ihren Eltern abgeholt. Alle Kinder seien aus der Turnhalle raus, sagte der Polizeisprecher. Es könne aber sein, dass noch einzelne Schüler vernommen würden.
Die Ermittler gingen nicht davon aus, dass noch eine Gefahr in der Schule besteht. Zum Hof baute die Polizei Sichtschutzwände auf. Rund um die Schule standen Schaulustige, die sich im Schatten platziert haben. Die Straße davor war gesperrt.
Campus liegt idyllisch umgeben von Wald und Seen
Die Tat ereignete sich auf einem Schulcampus des privaten Trägers, umgeben von Wald und Seen. Dort befinden sich Gymnasium, Oberschule und Fachoberschule. Mit dem Modell sollen die Gemeinsamkeiten gefördert werden, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wird betont. Gosen-Neu Zittau hat rund 3.500 Einwohner.
Erst Anfang August war in Brandenburg eine 19-Jährige tot in der Wohnung ihres Freundes gefunden worden - getötet mutmaßlich von ihrem gleichaltrigen Freund. Todesursächlich sei «scharfe Gewalt» in der Wohnung des Freundes in Hohen Neuendorf nördlich von Berlin gewesen, hieß es von der Polizei. Der Tatverdächtige wurde später von einem Fernzug tödlich verletzt. Laut Polizei war von einem Suizid auszugehen.
Brennende Kerze und mitfühlende Worte
Am Abend zeigt der Schulträger auf seiner Instagramseite seine Trauer im Profilbild: eine brennende Kerze im Dunkeln. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) spricht den Angehörigen und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus. «Bei einem furchtbaren Angriff sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Diese Tat erschüttert unser gesamtes Land.»
Auch Berlins Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) äußert sich schockiert: «Eine Schule ist für Kinder und Jugendliche ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Vertrauens - ein Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen sollen. Dass dieser Ort zum Schauplatz einer Gewalttat geworden ist, bestürzt mich sehr.»
Der Brandenburger Landeselternrat erwartet, dass Maßnahmen geprüft werden, um für Sicherheit an den Schulen zu sorgen. «Eltern müssen ihre Kinder morgens in die Schule schicken können, ohne Angst und ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.»
