
Hamm und Lippetal: Mega-Rechenzentrum für 4 Milliarden Euro
Vier Milliarden Euro Investition, 27 Hektar Fläche und neue Jobs für die Region: In Hamm-Uentrop entsteht eines der modernsten Rechenzentren Deutschlands. Warum der Standort auch für Lippetal im Kreis Soest ein echter Glücksfall ist.
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.01.2026 18:30
Blackstone plant größtes Investitionsprojekt der Region
Das US-Unternehmen Blackstone investiert vier Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum im Industriegebiet Westfalen bei Hamm-Uentrop. Nach rund zwei Jahren Verhandlungen haben die Stadt Hamm, die Gemeinde Lippetal und der Investor am Donnerstag, 15. Januar, den Kaufvertrag unterschrieben. Es ist das größte Investitionsprojekt in der Geschichte beider Kommunen.
Rechenzentrum größer als Kraftwerk Westfalen
Für Hamm und Lippetal ist es jeweils die größte Einzelinvestition überhaupt. Der Rechenzentrum-Campus soll auf einer Fläche von rund 27 Hektar entstehen - das ist mehr als die Hälfte des gesamten Industriegebiets Westfalen. Geplant sind mehrere Gebäude auf einem Acker gegenüber dem Campingplatz an der Stadtgrenze zwischen Hamm und Lippetal, direkt an der Autobahnanschlussstelle Uentrop. Blackstone hatte im Jahr 2020 den Rechenzentrumsdienstleister QTS (Quality Technology Services) übernommen. QTS hat bereits 81 Serverfarmen-Projekte in den USA und Europa realisiert. Blackstone selbst verwaltet weltweit Vermögenswerte von mehr als einer Billion Euro.
„Datenverarbeitungssysteme sind im Alltag angekommen, egal ob beim Smartphone, im Auto oder am Kühlschrank“ - Michael Heumann, Projektleiter QTS
Stromversorgung als entscheidender Standortfaktor
Ein zentrales Argument für den Standort Hamm-Uentrop ist die vorhandene Strominfrastruktur. Sie kann den enormen Energiebedarf eines solchen Rechenzentrums bereits heute decken. Zusätzlich plant der Netzbetreiber Amprion bis 2030 den Bau eines Konverters in Uentrop, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. So könnte künftig auch Windstrom aus Wilhelmshaven genutzt werden.
Weitere Vorteile sind die Nähe zu wichtigen Datenleitungen, ausreichend verfügbare Flächen sowie qualifizierte Fachkräfte aus dem Münsterland, Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet. Für Echtzeitanwendungen ist der Standort ideal: Innerhalb eines Radius von rund 100 Kilometern - bis in die Rhein-Ruhr-Region - sind extrem kurze Reaktionszeiten möglich.
„Man braucht viele Grundkomponenten für ein Rechenzentrum. Wir haben Strom, wir haben ein Grundstück und wir haben die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lippetal und der Stadt Hamm“ - Britta Harper, Blackstone
„Der Standort hat sowohl genug Nähe als auch genug Größe“ - Michael Heumann, QTS
Entwicklungsschub für Hamm und Lippetal
Für beide Kommunen gilt das Projekt als echter Meilenstein. Direkt entstehen rund 100 Arbeitsplätze, indirekt mehrere hundert weitere - etwa durch die jahrelange Bauphase sowie in Hotellerie, Gastronomie und Dienstleistungsbereichen. Blackstone geht insgesamt von der sechsfachen Zahl an indirekt geschaffenen Jobs aus.
Als Teil der kritischen Infrastruktur stärkt das Rechenzentrum außerdem die regionale Datensouveränität und macht den Standort für weitere Unternehmen attraktiver. Diskutiert wird auch die Nutzung der entstehenden Abwärme für ein kommunales Wärmenetz. Die Einnahmen aus Grundstücksverkauf und Gewerbesteuer teilen sich Hamm und Lippetal zu gleichen Teilen.
„Die Bedeutung für die regionale Entwicklung ist gar nicht zu überschätzen. Es gibt keinen Lebensbereich, keinen Wirtschaftsbereich, der nicht von der Digitalisierung durchdrungen ist. Es ist der neue Wachstumsmotor“ - Marc Herter, Oberbürgermeister Hamm
„Quasi ein Hauptbahnhof für Datenverbindungen, der in dieser Region entsteht. Das ist einfach eine Chance, auch für die restlichen Gewerbeflächen“ - Tobias Nillies, Bürgermeister Lippetal
Planfeststellungsverfahren startet in Lippetal
Am Donnerstagabend, 15. Januar, wurden die ersten Pläne den Bürgerinnen und Bürgern in Lippetal vorgestellt. In der kommenden Woche soll der Gemeinderat über das Projekt entscheiden. Anschließend startet das Planfeststellungsverfahren, das nach Einschätzung von Bürgermeister Tobias Nillies etwa zwei Jahre dauern wird. Geplant sind dabei auch eigene Formate zur Bürgerbeteiligung.
Die Gemeinde Lippetal sieht ihre überschaubare Größe als Vorteil. Unterstützung kommt vom Kreis Soest als zuständiger Bauplanungsbehörde sowie von der Stadt Hamm.
„Klein ist auch effizient und schnell und heißt kurze Wege, das ist ein Vorteil von uns gerade in politischen Beratungen, dass wir das flexibel handeln können“ - Tobias Nillies, Bürgermeister Lippetal
