
Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien im Kreis Soest
Kinder aus suchtbelasteten Familien stehen oft allein da. Im Kreis Soest startet jetzt ein neues anonymes Beratungsangebot per Mail. Die Diakonie will Betroffenen zuhören und konkrete Hilfe im Alltag ermöglichen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 19.02.2026 06:37
Hilfe für Familien
Im Kreis Soest gibt es ein neues Unterstützungsangebot für Kinder und Jugendliche, deren Eltern suchtkrank sind. Die Diakonie Ruhr-Hellweg startet das Projekt #StarkTrotzdem mit einer anonymen E-Mail-Beratung - ein Angebot, das es in der Region bislang nicht gab.
Anonyme Hilfe per Mail
Angesprochen sind junge Menschen, die in Familien mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit aufwachsen und dadurch oft früh Verantwortung übernehmen müssen. Sie können sich unkompliziert per Mail melden, ihre Sorgen schildern und erhalten Antworten von geschulten Beraterinnen und Beratern.
„Wenn Eltern suchtkrank sind und zum Beispiel Alkohol oder Drogen konsumieren, leiden die Kinder in einer Familie mit. Sie übernehmen zu früh viel Verantwortung und müssen sich dann oft im Alltag um ihre jüngeren Geschwister kümmern und Alltagssituationen bewältigen, die die Eltern nicht schaffen. Diesen Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien möchten wir Hilfe und Unterstützung anbieten“, erklärt Semira Stock von der Suchtberatung.
Das Besondere: Die Kontaktaufnahme bleibt anonym.
„Wir wenden uns über den Weg der anonymen E-Mail-Beratung an Kinder und Jugendliche, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen. Es ist wichtig, dass uns die Kinder anonym anmailen können. Fast jedes Kind in dem Alter hat ein Handy und kann uns über einen QR-Code oder die Mailadresse starktrotzdem@diakonie-ruhr-hellweg.de schnell und unkompliziert anschreiben. Wir hören zu, schreiben zurück und sind bei allen Sorgen und Problemen für sie da. Wir schauen dann gemeinsam, wie wir die Kinder unterstützen und im Alltag stärken können“, so Stock weiter.
Projekt kommt direkt in die Schulen
Damit möglichst viele Betroffene von dem Angebot erfahren, geht die Diakonie auch aktiv in die Schulen. Alle weiterführenden Schulen im Kreis wurden angeschrieben, um das Projekt in den Klassen 7 bis 12 vorzustellen. Erste Termine sind Ende des Monats in Schulen in Soest und Lippstadt geplant. Weitere Schulen können sich melden.
Im Unterricht wird unter anderem ein Film gezeigt, anschließend wird offen über das Thema gesprochen - denn Suchterkrankungen in Familien sind häufig noch ein Tabu.
„Die vergessenen Kinder“
„Für suchtkranke Erwachsene und Angehörige gibt es eine Vielzahl von Hilfsangeboten. Für Kinder aus diesen Familien viel zu wenig. Aus Scham und Angst vor möglichen Konsequenzen schweigen diese häufig und bleiben mit ihren Sorgen allein. Zudem sind sie selbst stark gefährdet, später suchtkrank zu werden“, sagt Patrick Siebert.
Nach Statistiken wächst in Deutschland etwa jedes fünfte Kind in einer suchtbelasteten Familie auf. In der Fachliteratur werden sie oft „die vergessenen Kinder“ genannt. Mit #StarkTrotzdem soll genau ihnen eine Stimme gegeben werden.
„#StarkTrotzdem ist unser Angebot, den Kindern unkompliziert und anonym Gehör zu verschaffen und Unterstützung anzubieten. Wir möchten ihnen zeigen, dass sie nicht vergessen sind, dass sie eine Stimme haben und trotzdem stark sind“, so das Team der Suchtberatung.