
IG BAU: Kaum ältere Bauarbeiter im Kreis Soest
Im Kreis Soest arbeiten rund 3.330 Menschen auf dem Bau - aber nur etwa 210 davon sind älter als 63 Jahre. Die Gewerkschaft IG BAU sieht darin einen deutlichen Beleg dafür, dass viele Bauarbeiter körperlich gar nicht bis zur Rente durchhalten können. Jetzt fordert sie grundlegende Reformen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 09.07.2026 16:30
Harte Arbeit, frühes Ende
Von rund 3.330 Bauarbeitern im Kreis Soest sind laut Arbeitsagentur gerade einmal rund 210 Beschäftigte älter als 63 Jahre. Für Friedhelm Kreft, Vorsitzenden der IG BAU Westfalen Mitte-Süd, ist das kein Zufall.
„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter - bei Hitze und Frost" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd
Viele Betroffene seien gesundheitlich schlicht nicht in der Lage, bis zum regulären Rentenalter weiterzumachen.
„Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd.
IG BAU fordert Flexi-Rente
Die Gewerkschaft sieht in den aktuellen Rentenplänen der Bundesregierung das falsche Signal.
„Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd
Die Gewerkschaft fordert stattdessen eine sogenannte Flexi-Rente - also einen schnelleren Zugang in den Ruhestand für Beschäftigte in körperlich besonders belastenden Berufen.
„Was dabei fehlt, ist die Flexi-Rente. Also die Chance auf vernünftige Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte durch ihren Job gesundheitlich einfach früher am Ende sind. Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit', die geleistet wird, angepasst werden" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd
Neben der Baubranche nennt Kreft auch die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie den Garten- und Landschaftsbau als betroffene Bereiche.
Rente mit 63 vor dem Aus?
Ein weiterer Streitpunkt ist das mögliche Abschaffen der Rente mit 63. Die IG BAU warnt davor, dass das vor allem die sogenannte Baby-Boomer-Generation hart treffen würde. Im Kreis Soest gibt es nach Berechnungen des Pestel-Instituts rund 50.300 Baby-Boomer, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen werden.
„Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung"
Viele von ihnen hätten jahrzehntelang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt.
„Immerhin haben viele Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt - gewissermaßen kurz vor knapp - die Rente mit 63 vor der Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen - und Vertrauen in den Staat" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd
Rentenniveau: Keine Absenkung unter 48 Prozent
Auch beim Rentenniveau hat die IG BAU klare Forderungen. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Rentenkommission keine garantierte Untergrenze beim Rentenniveau vorgesehen hat.
„Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische Vertrauenssache"
Langfristig fordert die Gewerkschaft sogar eine Anhebung auf mindestens 53 Prozent.
„Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen" - Friedhelm Kreft, Vorsitzender IG BAU Westfalen Mitte-Süd
Appell an heimische Abgeordnete
Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd richtet ihre Forderungen auch direkt an die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Soest und der Region. Sie sollen in ihren Fraktionen in Berlin für Korrekturen an den Rentenplänen eintreten - und nach Ansicht der Gewerkschaft "Renten-Rückgrat" zeigen. Ohne entsprechende Reformen, so die Warnung, würden Berufe, in denen körperlich hart gearbeitet wird, für junge Menschen immer unattraktiver werden.