
Kommt die Bundeswehr nach Soest?
Das Verteidigungsministerium hat eine Liste mit acht ehemaligen Kasernen veröffentlicht, die sich besonders gut für den Neuen Wehrdienst eignen - darunter die Kanaal-van-Wessem-Kaserne am Hiddingser Weg in Soest. Die Stadt zeigt sich offen für eine Ansiedlung der Bundeswehr. Bis Ende 2026 soll eine Entscheidung fallen.
Veröffentlicht: Freitag, 10.07.2026 04:32
Eine von acht: Soest auf der Bundeswehr-Liste
Das Bundesverteidigungsministerium hat acht ehemalige Militärgelände in Deutschland benannt, die sich für den Aufbau neuer Ausbildungskapazitäten besonders gut eignen. Neben Standorten in Boostedt, Cuxhaven, Speyer, Mönchengladbach, Kusel, Friedberg und Sigmaringen steht auch die Kanaal-van-Wessem-Kaserne am Hiddingser Weg in Soest auf dieser Liste. Das Gelände im Soester Süden wird derzeit noch als Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Geflüchtete des Landes NRW genutzt. Alle acht Liegenschaften befinden sich aktuell im Portfolio der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) - der Behörde, die Bundesimmobilien verwaltet. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Neuer Wehrdienst braucht neue Infrastruktur
Hintergrund ist der wachsende Platzbedarf der Bundeswehr. Seit dem 1. Januar 2026 gibt es den Neuen Wehrdienst, mit dem vor allem die Reserve der Streitkräfte weiter ausgebaut werden soll. Bis 2035 will die Bundeswehr mindestens 260.000 Zeit- und Berufssoldatinnen und -soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten zählen. Dafür werden deutlich mehr Kasernen, Übungsplätze und Unterkünfte gebraucht, als die Bundeswehr derzeit hat. Das Ministerium hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr einen sogenannten Konversionsstopp verhängt - das heißt: Für rund 174 ehemalige Militärgelände läuft vorerst keine zivile Umnutzung mehr. Parallel dazu hat das Bundeskabinett in der vergangenen Woche das Infrastrukturbeschleunigungsgesetz beschlossen, das eine schnellere Reaktivierung solcher Standorte ermöglichen soll. Vor einer abschließenden Entscheidung sind an den acht identifizierten Standorten sogenannte Standortdialoge geplant - dabei sollen auch die Interessen der jeweiligen Kommunen berücksichtigt werden.
CDU: Soest muss sich jetzt positionieren
Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Soest sieht sich durch die Entwicklungen bestätigt. Bereits im Februar 2026 hatte sie den Bürgermeister aufgefordert, Soest frühzeitig als möglichen Bundeswehrstandort ins Gespräch zu bringen. Damals verwies die Fraktion auf die Größe des Geländes, seine vorhandene Infrastruktur und die militärische Tradition der Stadt.
„Andere Städte werben bereits aktiv um Bundeswehreinrichtungen. Gerade deshalb darf Soest nicht abwarten. Wir müssen unsere Stärken selbstbewusst vertreten und jede realistische Chance nutzen. Als stärkste Fraktion im Rat sehen wir es als unsere Verantwortung, solche Zukunftsthemen frühzeitig aufzugreifen und den Bürgermeister zum Handeln aufzufordern. Genau das haben wir bereits im Februar getan." – Jens Westhaus, Sprecher CDU-Fraktion im Soester Stadtrat
Was eine Ansiedlung für Soest bedeuten könnte
Die Stadt Soest steht einer möglichen Ansiedlung der Bundeswehr offen gegenüber. Als Argumente werden vor allem wirtschaftliche Effekte genannt: mehr Kaufkraft in der Region, neue Arbeitsplätze sowie der mögliche Zuzug junger Familien. Profitieren könnten besonders der Soester Süden, der Einzelhandel, das Handwerk und lokale Dienstleistungsbetriebe. Darüber hinaus sieht die CDU außerdem infrastrukturelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Gesamtstadt.
Entscheidung bis Ende des Jahres
Das Verteidigungsministerium will die Prüfung aller Liegenschaften bis Ende 2026 abschließen. Dann soll feststehen, welche Standorte tatsächlich reaktiviert werden - und welche wieder für eine zivile Nutzung freigegeben werden. Für Soest bedeutet das: In den kommenden Monaten dürfte sich zeigen, ob die Bundeswehr tatsächlich an den Hiddingser Weg kommt.