
Kreis Soest: Diskussion um Promillegrenze fürs Fahrrad
Nach Partys steigen viele trotz Alkohol noch aufs Fahrrad. Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wird jetzt über eine niedrigere Promillegrenze diskutiert. Auch die Polizei im Kreis Soest warnt vor den Risiken.
Veröffentlicht: Mittwoch, 28.01.2026 06:08
Promillegrenze fürs Fahrrad?
Wer auf einer Feier Alkohol getrunken hat, nimmt für den Heimweg durchaus auch mal das Fahrrad. Solange nichts passiert, ist das bislang rechtlich meist kein Problem - selbst nach mehr als einem Bier. Fachleute sehen diese Regelung allerdings kritisch. Ab heute (28. Januar 2026) wird deshalb beim Verkehrsgerichtstag in Goslar über strengere Promillegrenzen für Fahrrad- und E-Bike-Fahrende diskutiert.
Viele Führerscheinabgaben im Kreis Soest
Im vergangenen Jahr mussten im Kreis Soest rund 250 Menschen ihren Führerschein abgeben, weil sie alkoholisiert im Straßenverkehr unterwegs waren. Laut der Soester Kreispolizei war dabei nur ein kleinerer Teil mit dem Fahrrad unterwegs. Kreis-Polizeisprecher Marco Baffa-Scinelli erklärt:
„Also von diesen rund 250 Personen war es der kleinere Teil, der mit dem Fahrrad unterwegs ist. Was aber daran liegt, dass die Promillegrenze beim Fahrradfahren deutlich höher ist als beim PKW oder Mofa.“
Experten fordern Absenkung auf 1,1 Promille
Nach dem Willen vieler Fachleute soll die aktuelle Grenze von 1,6 Promille auf 1,1 Promille gesenkt werden. Ab diesem Wert sei man bereits deutlich über dem leichten Rausch, das Risiko im Straßenverkehr steige erheblich. Das zeigen auch aktuelle Zahlen: Laut Statistischem Bundesamt war 2024 bei jedem zweiten Unfall unter Alkoholeinfluss ein Radfahrer beteiligt. Zudem hat sich der Anteil betrunkener Radfahrender in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt.
Polizei warnt vor unterschätzter Gefahr
Die Polizei im Kreis Soest unterstützt eine strengere Regelung. Marco Baffa-Scinelli macht deutlich:
„Die Reaktionszeit ist deutlich schlechter, man ist ungeschützter auf dem Fahrrad und am Ende hilft es keinem, wenn jemand schwer verletzt wird oder wir Verkehrsunfälle haben. Das wollen wir alle nicht.“
Auch der gesunde Menschenverstand spiele eine Rolle, so der Polizeisprecher weiter:
„Jeder kann für sich mal überlegen: Wenn ich 1,6 Promille intus habe, kann ich mir dann noch vorstellen, mit dem Fahrrad zu fahren?“
