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EZB-Präsidentin Christine Lagarde
© Florian Wiegand/dpa
Seit dem 1. November 2019 führt die Französin Christine Lagarde die EZB. (Archivbild)
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Lagarde geht vorzeitig im Februar - Poker um EZB-Spitze

Christine Lagarde verschafft der Politik Zeit bei der Regelung ihrer Nachfolge an der EZB-Spitze - die Sorge vor Rechtspopulisten ist groß. Nun beginnt das Rennen um ihre Nachfolge.

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Europäische Zentralbank

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Frankfurt/Main (dpa) - Christine Lagarde tritt vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank ab. Die Französin gibt ihren Posten zum 7. Februar 2027 auf, wie die EZB in Frankfurt kurz vor ihrem Zinsentscheid mitteilte. Darüber habe Lagarde den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, informiert. Regulär wäre die achtjährige Amtszeit von Lagarde noch bis Ende Oktober 2027 gegangen. 

Costa dankte Lagarde für ihre Verdienste: «Europa hat von ihrer Führung in unsicheren Zeiten und ihrem unerschütterlichen Engagement für das europäische Projekt sehr profitiert», erklärte der Portugiese. «Inmitten einer globalen Pandemie, eines Krieges in Europa, von Energiekrisen und Inflationsschocks hat sie eine beständige und entschlossene Führung gewährleistet und damit dazu beigetragen, die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Euro-Währungsgebiets zu sichern.»

Um einen reibungslosen Übergang zur nächsten EZB-Führung zu gewährleisten, werde das Verfahren für ihre Nachfolge noch heute eingeleitet, kündigte Costa an.

Poker um Lagarde-Nachfolge beginnt 

Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten sind nun gefordert, die Nachfolge der Französin früher zu regeln. Der Abtritt Lagardes ermöglicht es dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Kanzler Friedrich Merz (CDU), noch vor der Wahl in Frankreich im April 2027 die Neubesetzung eines der wichtigsten Spitzenposten in Europa zu klären.

Lagardes Rückzug kommt nicht überraschend, Gerüchte um einen vorzeitigen Abtritt gibt es schon lange. Bereits im Februar 2026 hatte die «Financial Times» berichtet, Lagarde wolle sich vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich zurückziehen. Hintergrund sind Sorgen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte. Macron darf bei der Präsidentschaftswahl nicht erneut antreten. Im September bestätigte Lagarde in einem Interview erstmals selbst Überlegungen, sie könnte bei der EZB «ein paar Monate» früher abtreten.

Chancen und Hürden für Deutschen an der EZB-Spitze

Für die Lagarde-Nachfolge hatte sich auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ins Spiel gebracht. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Notenbank noch nie die EZB-Spitze.

Als Favoriten für die Lagarde-Nachfolge gelten aber der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist. EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die ebenfalls Interesse an Lagardes Nachfolge angemeldet hatte, wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington.

Damit wird Schnabels Stelle im sechsköpfigen EZB-Direktorium schon bald frei. Ab Juni 2027 braucht die Notenbank zudem einen neuen Chefökonomen, weil dann die Amtszeit von Inhaber Philip R. Lane endet. Als wahrscheinlich gilt, dass auf europäischer Ebene ein ganzes Personalpaket verhandelt wird. Vizekanzler Lars Klingbeil betonte jüngst Ansprüche der Bundesregierung: Natürlich werde Deutschland im EZB-Direktorium weiterhin eine Rolle spielen, sagte der SPD-Politiker am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok.

Rennen zwischen Deutschland und Spanien?

Als größtes Hindernis für einen Deutschen an der EZB-Spitze gilt, dass bereits die Europäische Kommission von einer Deutschen geführt wird: Ursula von der Leyen. Zwei Deutsche an der Spitze von derart wichtigen Institutionen in Europa - das dürfte im Brüsseler Personalpoker schwer zu vermitteln sein. 

Schon zu Beginn der EZB stand ein europäischer Kompromiss: Den Chefposten bekam im Sommer 1998 kein Vertreter der Schwergewichte Deutschland oder Frankreich, sondern der Niederländer Wim Duisenberg. Er schied aus Altersgründen vorzeitig 2003 aus. Seine Nachfolger, der Franzose Jean-Claude Trichet und der Italiener Mario Draghi, erfüllten die volle achtjährige Amtszeit.

Lagarde wollte als EZB-Chefin eigene Akzente setzen

Lagarde trat am 1. November 2019 als erste Frau an der Spitze der EZB mit dem Anspruch an, eigene Akzente zu setzen: Klimaschutz, die Förderung von Frauen und eine bessere Kommunikation der Notenbank. «Wir werden jeden Stein umdrehen», kündigt die stets elegant auftretende Lagarde bei ihrer ersten Pressekonferenz an. Und sie betont: «Ich habe meinen eigenen Stil.»

Das oberste Entscheidungsgremium der Zentralbank, den EZB-Rat, muss die Französin wieder einen: Ihr Vorgänger Mario Draghi hatte kurz vor Ende seiner Amtszeit gegen großen Widerstand eine Verschärfung der ultralockeren Geldpolitik mit Null- und Negativzinsen durchgesetzt.

Krisenmanager im Euro-Tower

Schneller als erwartet war die Juristin Lagarde, die anders als ihre drei Vorgänger nie einer nationalen Notenbank vorstand, als Krisenmanagerin gefordert: Corona-Pandemie, Ölpreisschock, Börsencrash. Anfangs wirkte die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin und spätere Chefin des Internationalen Währungsfonds, die von sich selbst einmal sagte, sie sei «keine supertolle Ökonomin», in ihrer neuen Rolle unsicher.

So sorgte Lagarde zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang März 2020 für Verwirrung an den Finanzmärkten mit der Bemerkung, sie strebe kein «Whatever it takes 2.0» an. Nur eine Woche später schnürte die EZB eilends ein neues Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen.

Inflation, Inflation, Inflation

Der russische Angriff auf die Ukraine ließ die Teuerung im Euroraum 2022 auf ein Rekordhoch von fast elf Prozent schnellen, fortan war die EZB in ihrem Kerngebiet gefordert: Die Inflation zu begrenzen und für einen stabilen Euro zu sorgen.

Mit einer beispiellosen Serie von zehn Zinserhöhungen in Folge, die Kredite verteuern und so die Nachfrage bremsen, gelang es der EZB, die Inflationswelle zu brechen. Im Juni 2024 folgt die Zinswende zu wieder sinkenden Leitzinsen. Auch der Iran-Krieg mit dem Ölpreisschock ließ die Inflation anschwellen, schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Der Druck auf die EZB bleibt hoch.

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© dpa-infocom, dpa:261029-930-911110/3
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Weltwirtschaftsforum in Davos
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Der Abtritt von Lagarde hat wohl auch politische Gründe, denn auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnten Rechtspopulisten folgen (Archivbild)
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Die Leitzinsen der EZB beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen für Unternehmen sowie die Zinsen für Sparer. (Archivbild)
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Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Europäischen Zentralbank
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Lagardes Vorgänger Jean-Claude Trichet und Mario Draghi waren je acht Jahre im Amt. (Archivbild)
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