
Neue Verdächtige im Horrorhaus-Prozess von Soest
Am Landgericht Arnsberg hat heute der Prozess um das "Horrorhaus von Soest" begonnen. Vier Männer stehen wegen schwerer Vorwürfe vor Gericht - und zum Prozessauftakt gibt es eine Überraschung: Die Zahl der Verdächtigen ist größer als bisher bekannt.
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Alle Infos auf einen Blick
- Vorwürfe: Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung, bei zwei Angeklagten auch Vergewaltigung
- Lebensgefährtin des Hauptangeklagten seit 25. September in Untersuchungshaft
- Laut Richter: weitere Beschuldigte aufgetaucht, Details aus taktischen Gründen nicht öffentlich
- Nächster Verhandlungstag: 2. November
Prozessstart am Landgericht Arnsberg
Am Montag (12.10.2026) hat am Landgericht Arnsberg der Prozess um das sogenannte "Horrorhaus von Soest" begonnen. Vier Männer müssen sich wegen schwerer Vorwürfe verantworten. Der Fall war im vergangenen Jahr bekanntgeworden und hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Insgesamt sind 14 Prozesstage geplant.
Was den vier Angeklagten vorgeworfen wird
Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer im Alter von 25 und 29 Jahren sowie zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, eine 33-jährige, ehemals wohnungslose Frau von Juli bis November 2025 in einem Reihenhaus im Soester Süden gefangen gehalten und misshandelt zu haben. Die Vorwürfe umfassen gefährliche Körperverletzung, Nötigung und gemeinschaftliche Freiheitsberaubung. Zwei der Angeklagten wird zusätzlich Vergewaltigung vorgeworfen.
Überraschung zum Prozessauftakt: Lebensgefährtin jetzt auch verdächtig
Zum Prozessauftakt wurde bekannt, dass die frühere Lebensgefährtin des Hauptangeklagten nicht länger nur als Mitwisserin gilt - gegen sie besteht nun ebenfalls ein dringender Tatverdacht. Sie sitzt seit dem 25. September in Untersuchungshaft. Staatsanwältin Annika Berg erklärte dazu:
"Im vergangenen Monat sind weitere Beweismittel zugespielt worden, insbesondere auf Form von Speichermedien. Diese Beweismittel sind dann unverzüglich ausgewertet worden und haben einen dringenden Tatverdacht gegen die zum Tatzeitpunkt Lebensgefährtin des Hauptangeklagten begründet. Diese ist dann in Haft genommen worden und befindet sich seit dem 25.09. wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft." - Annika Berg, Staatsanwältin, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg
Getrennte Verfahren geplant
Der Prozess gegen die Lebensgefährtin soll nicht zusammen mit dem Verfahren gegen die vier Männer geführt werden. Staatsanwältin Berg begründete das so:
"Es bestünde theoretisch die Möglichkeit einer sogenannten Nachtragsanklage. Das würde allerdings den bisherigen Prozess- und Verfahrensgegenstand erweitert. Und insbesondere vor dem Hintergrund, dass gegebenenfalls noch Nachermittlungen zu tätigen sind, sollen das in getrennten Verfahren dann alles verarbeitet werden." - Annika Berg, Staatsanwältin, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg
Weitere Beschuldigte aufgetaucht
Der vorsitzende Richter machte am ersten Verhandlungstag deutlich, dass die neuen Beweismittel nicht nur gegen die Lebensgefährtin, sondern auch gegen weitere Personen einen Verdacht begründen. Wer diese Personen sind und wie viele es gibt, wurde nicht bekanntgegeben. Die Ermittler nannten dafür taktische Gründe.
Opfer nicht anwesend - Verfahren geht im November weiter
Das Opfer war beim Prozessauftakt nicht dabei. Die Frau leidet nach wie vor unter den gesundheitlichen Folgen des Erlebten. Ob und wie sie an späteren Verhandlungstagen aussagen wird, ist noch offen - möglicherweise wird sie per Video zugeschaltet. Der nächste Verhandlungstag ist für den 2. November angesetzt. Dann soll voraussichtlich zunächst ein medizinisch-psychologischer Sachverständiger gehört werden. Zuvor ist zwischen dem Richter, den Angeklagten und ihren Verteidigern ein sogenanntes Rechtsgespräch geplant, wo es u.a. darum gehen soll, welches Strafmaß im Falle eines Geständnisses zu erwarten wäre.
Demo in Soest gegen Gewalt an Frauen
Parallel zum Prozessauftakt findet am Montag (12.10.2026) in Soest eine Demonstration statt. Sie beginnt um 16 Uhr am Soester Bahnhof und führt von dort zum Marktplatz. Organisiert wird die Kundgebung von Sarah Gonschorek (Grüne, Kreis Soest) und dem Frauennetzwerk Kreis Soest. Die Veranstalterinnen wollen damit Solidarität mit dem Opfer zeigen und auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.