
Neues Gewaltschutz-Zentrum in Soest startet im März
Mehr Platz, mehr Hilfe, ein gemeinsamer Standort: In Soest startet ein neues Gewaltschutz-Zentrum für Frauen. Drei Einrichtungen arbeiten künftig eng zusammen - mit einem klaren Ziel: Unterstützung einfacher erreichbar machen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.02.2026 17:19
Neues Gewaltschutz-Zentrum
Im März 2026 nimmt ein neues Gewaltschutz-Zentrum der Evangelische Frauenhilfe in Westfalen offiziell den Betrieb auf. Erstmals arbeiten das Frauenhaus, die Frauenberatung und die Prostituierten- und Ausstiegsberatung TAMAR in Soest unter einem Dach. Für betroffene Frauen und ihre Kinder bedeutet das vor allem: kurze Wege, engere Zusammenarbeit der Hilfsangebote und deutlich mehr Platz.
Drei Einrichtungen bündeln ihre Hilfe
Bislang waren die Angebote auf verschiedene Standorte verteilt. Künftig können Frauen Beratung, Unterstützung und - wenn nötig - geschützte Unterbringung zentral erreichen. Die leitende Pfarrerin Birgit Reiche erklärt im Gespräch mit Hellweg Radio, was sich durch die Zusammenlegung verändert:
„Die Wege sind kürzer. Die Adresse des Frauenhauses wird nicht mehr geheim sein. Frauen können hier Beratung in allen Problemlagen in der Frauenberatung bekommen und der Weg für die Kolleginnen zueinander ist ein kürzerer. Die Zusammenarbeit wird intensiver.“
Mit der neuen Struktur soll Hilfe schneller und unkomplizierter greifen - von der ersten Beratung bis zur sicheren Unterkunft.
Mehr Platz und mehr Privatsphäre im Frauenhaus
Auch die Unterbringung wurde deutlich verbessert. Statt klassischer Zimmer gibt es jetzt Apartments mit eigener kleiner Küche und Bad, was mehr Privatsphäre ermöglicht. Insgesamt stehen doppelt so viele Plätze wie vorher zur Verfügung. Zwei Apartments sind barrierefrei, sodass auch Frauen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen aufgenommen werden können.
Für die Leiterin des Frauenhauses, Maike Schöne, ist der Zusammenschluss ein wichtiger Schritt:
„Das ist geballte fachliche Kompetenz, die zentral und gut erreichbar ist. Wir möchten sichtbar sein und Öffentlichkeit schaffen für Themen wie häusliche Gewalt, aber auch für die anderen Bereiche der Beratungsstellen - sexualisierte Gewalt, Gewalt im Kontext von Sexarbeit oder auch im Zusammenhang mit Genitalverstümmelung.“
Adresse nicht mehr geheim
Eine grundlegende Änderung: Die Adresse des Frauenhauses ist künftig öffentlich. Damit soll die Hemmschwelle sinken, Hilfe zu suchen. Die Frauenhausleitung erklärt gegenüber Hellweg Radio:
„Bisher war das Frauenhaus an einem unbekannten Standort, wobei wir auch wissen, dass das nach 35 Jahren in Soest vielleicht gar nicht mehr so unbekannt war. Jetzt sagen wir: Es ist Zeit, das öffentlich zu machen. Es ist auch Zeit, dass Frauen sich mit ihrem Thema und ihrer Situation nicht mehr verstecken müssen, wenn sie sich hilfesuchend an uns wenden.“
Auf dem Gelände sorgen unter anderem Kameras sowie der große Gebäudekomplex mit viel Betrieb für zusätzliche Sicherheit. In besonderen Fällen, etwa bei Stalking, können Betroffene weiterhin an andere Frauenhäuser mit höherem Schutz verwiesen werden.
Signal gegen Scham und Gewalt
Das Zentrum versteht sich auch als sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Orientierung gibt dabei laut Frauenhaus-Leiterin Maike Schöne ein bekanntes Zitat von Gisèle Pelicot:
„Die Scham muss die Seite wechseln. Es muss sich niemand verstecken. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem man gut sein kann - in dieser schwierigen Lebenssituation, wenn man zu Hause Gewalt erfahren hat und aus dem Zuhause fliehen muss, das einen eigentlich schützen sollte.“
Mit dem neuen Angebot entsteht im Kreis Soest ein erweitertes Netzwerk zum Schutz von Frauen - mit moderner Ausstattung, mehr Kapazitäten und möglichst einfachem Zugang zu Hilfe.
Autoren: Alyssa Geppert / Ben Hettwer

