
Neues Schuljahr in NRW: Das kommt auf Schüler und Lehrer zu
Mehr Tests, mehr Schreiben mit der Hand und ein ausgeweitetes Schülerfeedback: In NRW beginnt am Mittwoch das neue Schuljahr. Auch bei Ganztagsbetreuung, Lehrerfortbildung und am Gymnasium gibt es wichtige Änderungen.
Veröffentlicht:
Lernstand wird früher getestet
Fast 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler starten am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen ins neue Schuljahr. Für die neuen Fünftklässler gibt es dabei eine Neuerung: Erstmals wird an ausgewählten Schulen der Lernstand direkt zu Beginn der fünften Klasse getestet. Im Mittelpunkt stehen Leseverständnis und grundlegende mathematische Kompetenzen. Fast 500 Schulen haben sich für die freiwillige Pilotphase gemeldet. Die Tests sollen etwa 15 Minuten dauern und digital ausgewertet werden. Nach der Erprobung soll der Lernstand 5 landesweit verpflichtend werden.
Das ganze Interview zum neuen Schuljahr
Im Gespräch mit José Narciandi, dem Leiter unseres Landtagsstudios, erläutert NRW-Schulministerin Feller ihre Pläne, Vorstellungen und Haltungen zu wichtigen Themen im neuen Schuljahr 2026/2027.
Stift statt nur Tablet
In den Grundschulen rückt außerdem das Schreiben stärker in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Stift zur Hand“ sollen Kinder wieder mehr mit der Hand schreiben – von Buchstaben über Wörter und Sätze bis hin zu ganzen Texten. Die Schulen bekommen dafür zunächst eine Checkliste, mit der sie ihren Schreibunterricht überprüfen können. Feste Schreibzeiten wie bei der verbindlichen Lesezeit von dreimal 20 Minuten pro Woche sind zunächst nicht vorgesehen. Feller betont zugleich, dass digitale Geräte weiter eingesetzt werden sollen.
„Wir haben immer gesagt, Digitalisierung, auch KI, ist immer eine Ergänzung, es ist nie ein Ersetzen. Das heißt, wir machen beides, wir machen das Analoge und wir machen das Digitale.“
NRW-Schulministerin Dorothee Feller im Interview mit José Narciandi
Schüler bekommen mehr Stimme
Auch das zentrale Schülerfeedback wird ausgeweitet. Im vergangenen Schuljahr haben rund 320.000 Schülerinnen und Schüler an mehr als 1.500 Schulen daran teilgenommen. Im kommenden zweiten Schulhalbjahr können die Schulen erneut freiwillig mitmachen und den bisherigen Fragenkatalog um Fragen zur Unterrichtsqualität ergänzen. Ab dem Schuljahr 2027/28 soll das Feedback verpflichtend werden. Die Antworten bleiben anonym und sollen ausdrücklich nicht dazu dienen, einzelne Lehrkräfte zu bewerten. Für die Auswertung stellt das Schulministerium zudem eine KI-Assistenz bereit.
Mehr Daten, klare Ziele und neue Fortbildungen
Die Ergebnisse aus Lernstandserhebungen und Schülerfeedback sollen künftig in Zielvereinbarungen zwischen Schulen und Schulaufsicht einfließen. Dafür gibt es im neuen Schuljahr erstmals ein digitales Werkzeug. Gleichzeitig richtet NRW die staatliche Lehrerfortbildung landesweit neu aus. Themen sind unter anderem Lesen, Schreiben, der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Künstliche Intelligenz, Gewaltprävention, Kinderschutz und Demokratiebildung. Gerade mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr sollen Lehrkräfte außerdem dabei unterstützt werden, politische Themen und Desinformation im Unterricht aufzugreifen.
„Neutralität heißt nicht, keine Haltung zu haben. Ich muss mich schon deutlich auf unsere demokratische Grundordnung berufen.“
NRW-Schulministerin Dorothee Feller im Interview mit den NRW-Lokalradios
G9 ist zurück – Ganztagsanspruch startet
An den Gymnasien ist die Rückkehr von G8 zu G9 mit diesem Schuljahr abgeschlossen. Ab jetzt werden wieder neun statt acht Jahrgänge unterrichtet. Im Frühjahr 2027 sollen deshalb wieder rund 70.000 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur machen – in diesem Jahr waren es wegen der Umstellung nur rund 30.000. Außerdem startet mit dem neuen Schuljahr der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zunächst für Erstklässler. In NRW stehen dafür nach Angaben des Schulministeriums derzeit rund 453.000 OGS-Plätze zur Verfügung; finanziert werden können bis zu 500.500 Plätze.


