
Spekulationen über potenzielle Käufer
Es sind harte Zeiten für die Haus-Cramer-Gruppe, aber für die Zukunft der Paderborner Brauerei ist Klarheit zumindest in Sicht: Bis Ende Oktober soll feststehen, ob der Verkauf des Standorts glückt. Das hatte die Haus-Cramer-Gruppe am Montag gegenüber dem Westfalen-Blatt bestätigt und demnach auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über das Intranet mitgeteilt. Vorher war eher allgemein von Herbst die Rede. Anschließend möchte die Brauerei die Belegschaft und die Öffentlichkeit über die weiteren Schritte informieren. Unternehmenssprecherin Laura Heinzelmann zeigte sich am Dienstag auf Nachfrage aber optimistisch: „Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Käufern und merken, dass der Standort Paderborn sehr vielversprechend ist“, sagte sie. Wer diese potenziellen Käufer sind, dazu macht die Brauerei keine Angaben. In Paderborner Medien wird Paulaner als ein möglicher Interessent gehandelt. Sollte kein Käufer gefunden werden, wird der Betrieb Ende dieses Jahres eingestellt – davon wären 120 Arbeitsplätze betroffen. Die Marke Paderborner selbst soll aber unabhängig davon in Warstein gebraut werden.
Herforder-Produktion ganz in Warstein
Die Produktion der Biere, die in Herford gebraut wurden, wurde schon seit Frühjahr sukzessive nach Warstein verlegt. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht alles auf einen Schlag umzustellen“, hatte Laura Heinzelmann schon Ende Juli erklärt. Für die Warsteiner Kollegen wäre es sonst „ein massiver Mehraufwand“, schließlich müssen sie sicherstellen, dass alles läuft, und gegebenenfalls Anlagen nochmal anpassen. Seit Ende August läuft nun die ganze Herforder-Produktion in Warstein, sagt die Unternehmenssprecherin jetzt. In Herford laufen nur noch Instandhaltungsaufgaben. Der nächste Schritt sei jetzt, die Abfüllanlage in Herford ab- und in Warstein wieder aufzubauen. Sie wurde erst im Frühjahr 2025 angeschafft. Warum sie ein Jahr vor dem Ende des Standorts noch angeschafft wurde? „Der Prozess hat mehrere Jahre gedauert“, erklärt Laura Heinzelmann. Drei Jahre lief allein die Planung für die 20-Millionen-Investition.
Wechsel-Angebot wird angenommen
Durchaus angenommen werde aber, dass die Brauerei in Warstein den Beschäftigten aus Herford und – sollte der Verkauf nicht gelingen – Paderborn 50 Arbeitsplätze anbiete. „Sowohl aus Herford als auch aus Paderborn gibt es Interesse“, sagt Laura Heinzelmann. Die Arbeitsplätze gehören zu dem Auffangnetz, das die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Haus-Cramer-Gruppe in „ebenso intensiven wie harten Verhandlungen“ im Juli gespannt haben. Dazu gehören unter anderem ein Zuschuss zum Umzug, eine Pendlerpauschale für jeden zusätzlich gefahrenen Kilometer, bis zu 150.000 Euro Abfindung und ausbezahlte Überstunden.
Haus-Cramer-Gruppe baut Kapazitäten wegen Biermarkt-Krise ab
Im Mai hatte die Haus-Cramer-Gruppe angekündigt, den Betrieb in der Herforder Brauerei zu beenden und für den Standort der Paderborner Brauerei einen Käufer zu suchen. Als Grund hatte die Haus-Cramer-Gruppe die ‚anhaltend dramatische Entwicklung des deutschen Biermarktes‘ genannt: Der Pro-Kopf-Verbrauch ist laut Deutschem Brauer-Bund seit 2000 um rund 30 Prozent gesunken – die Brauerei baut ihre Kapazitäten proportional dazu ab.