
Viele Apotheken im Kreis Soest schließen
Am kommenden Montag werden kreisweit wohl viele Apothekenkunden vor verschlossen Türen stehen. Hintergrund ist ein bundesweiter Protesttag, zu dem die Apothekerverbände aufgerufen haben. Neben den Schließungen sind auch zentrale Kundgebungen, Demonstrationen und Versammlungen in Düsseldorf, Hannover, Berlin und München geplant. Viele Apothekenteams aus NRW wollen an der zentralen Protestkundgebung in Düsseldorf teilnehmen. Nach Angaben der Apothekerschaft soll damit ein Zeichen gesetzt werden, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern und die Apotheken vor Ort zu stabilisieren. Hermann-Josef Brinkmann aus Erwitte, Apothekensprecher für den Altkreis Lippstadt und Kreisvertrauensapotheker für den Kreis Soest, rechnet damit, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen am Protest beteiligen.
„Aufgerufen sind natürlich alle Apotheken jetzt für uns im Kreis Soest. Das sind ganze Orte, wo wohl komplett die Apotheken schließen werden, zum Beispiel in Rüthen, Bad Sassendorf und Warstein.“ – Hermann-Josef Brinkmann, Apothekensprecher im Altkreis Lippstadt
Kritik an der Lage der Apotheken vor Ort
Die Apothekerverbände sprechen von einer wirtschaftlich angespannten Lage. Nach ihren Angaben ist das Honorar für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten seit 13 Jahren nicht mehr angepasst worden. Gleichzeitig seien die Betriebskosten, vor allem für Personal, deutlich gestiegen.
„Die Apotheken in ganz Deutschland stehen unter enormem Druck, viele befinden sich mittlerweile in einer existenzbedrohenden Situation, weil sie chronisch unterfinanziert sind - auch bei uns in der Region.“ - Dr. Horst Heidel, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Sprecher der Bezirksgruppe Soest im Apothekerverband Westfalen-Lippe
Apotheken nennen Gründe für den Protesttag
Vor allem mit Blick auf Krisenzeiten und eine älter werdende Bevölkerung fordern die Verbände nach eigenen Angaben eine verlässliche und faire Finanzierung. Sie verweisen darauf, dass wohnortnahe Apotheken aus ihrer Sicht ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung bleiben. Deshalb richtet sich der Protest auch an die Bundesregierung, sagt Heidel.
„Seit 13 Jahren wurde das Honorar bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten nicht mehr angepasst. Im gleichen Zeitraum - also seit 2013 - sind die Betriebskosten, vor allem die Löhne für das Personal, massiv gestiegen.“ - Dr. Horst Heidel, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Sprecher der Bezirksgruppe Soest im Apothekerverband Westfalen-Lippe
Eine ähnliche Bilanz zieht Brinkmann, der davon spricht, dass die finanzielle in der Lage mehr als angespannt sei:
„Letztendlich geht es den Apotheken schlecht und das sieht man auch daran, da sehr viele Apotheken in den vergangenen Jahren geschlossen haben, bei uns im Kreis ungefähr 40 Prozent, und vielen anderen geht es nicht gut.“ - Hermann-Josef Brinkmann, Apothekensprecher für den Altkreis Lippstadt
Notdienst-Apotheken bleiben erreichbar
Patientinnen und Patienten mit dringendem Medikamentenbedarf sollen auch am Protesttag nicht ohne Hilfe bleiben. Die Versorgung wird über die notdiensthabenden Apotheken sichergestellt. Wer regelmäßig Arzneimittel benötigt, sollte diese nach Möglichkeit schon heute oder morgen abholen. Eine Notdienstapotheke lässt sich online über den Notdienst-Finder auf aponet.de finden. Außerdem gibt es Auskünfte telefonisch unter 0800 00 22 8 33 sowie mobil über die 22 8 33.
„Unsere Patientinnen und Patienten bitten wir um Verständnis, wenn die Apotheken geschlossen sind. Wer regelmäßig auf Arzneimittel angewiesen ist, sollte diese am besten schon vor dem Protesttag in der Apotheke abholen. Wir kämpfen mit unserem Protesttag auch dafür, dass Ihre Apotheke um die Ecke erhalten bleibt.“ - Dr. Horst Heidel, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Sprecher der Bezirksgruppe Soest im Apothekerverband Westfalen-Lippe.
Petition zum Erhalt der Apotheken
Begleitend zum Protesttag verweisen die Apothekerverbände auf eine Online-Petition. Sie steht auf der Plattform Open Petition unter dem Titel „Apothekensterben stoppen - Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“. Patientinnen und Patienten können die Aktion dort unterstützen. Nach Angaben der Initiatoren soll damit zusätzlicher Druck auf die Politik aufgebaut werden. Ziel sei eine langfristige Sicherung der flächendeckenden Versorgung.