
Schockanrufe: Erwitter steht in München vor Gericht
Ein 27-Jähriger aus Erwitte steht derzeit in München vor Gericht - er soll als Mitglied einer Schockanrufer-Bande in neun Fällen Geld und Wertsachen von älteren Menschen abgeholt haben. Laut Staatsanwaltschaft beläuft sich der Schaden auf über 900.000 Euro. Das Urteil soll Ende August fallen.
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So funktionieren Schockanrufe
Schockanrufe sind eine Betrugsmasche, bei der Kriminelle gezielt ältere Menschen anrufen. Sie täuschen vor, dass ein naher Angehöriger - zum Beispiel ein Kind oder Enkel - in eine Straftat verwickelt sei und dringend Geld brauche, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Wer unter dem Druck des angeblichen Notstands Geld oder Wertsachen übergibt, merkt oft erst danach, dass alles erfunden war. Das Bundeskriminalamt hat diese Woche mitgeteilt, dass Betrügerbanden mit dieser Masche immer mehr Geld ergaunern. Auch hier im Kreis Soest kommt es immer wieder zu solchen Fällen.
Die Rolle des Angeklagten
Der 27-Jährige aus Erwitte im Kreis Soest soll in der Bande als sogenannter "Abholer" eingesetzt worden sein. Nach dem Konstrukt der Anklage lief das so ab: Ein "Keiler" führte die Telefonate mit den Opfern, ein "Logistiker" lotste den Angeklagten zur jeweiligen Adresse - und der 27-Jährige holte dann das Geld oder die Wertsachen persönlich ab. In neun Fällen soll das so funktioniert haben; in Ostwestfalen, in Franken und im Schwarzwald. Der Gesamtschaden liegt laut Staatsanwaltschaft bei über 900.000 Euro. Angeklagt ist er wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs.
Festnahme südlich von München
Beim zehnten Versuch war Schluss: In Wolfratshausen, südlich von München, wurde der Erwitter vor rund einem Jahr festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Weil die Festnahme dort stattfand, wird der Fall auch vor dem Gericht in München verhandelt. Wer hinter den Anrufen steckt, ist bislang unklar, die mutmaßlichen Anrufer sind noch nicht gefasst.
Urteil soll Ende August fallen
Der Prozess läuft derzeit. Ein Urteil wird laut Angaben aus dem Verfahren Ende August erwartet. Dem 27-Jährigen drohen bei einer Verurteilung mehrere Jahre Haft.