
Soester Archäologen auf Spurensuche an historischer Verkehrsachse
Die Osthofenstraße in Soest war im Frühmittelalter eine Verkehrsachse von der Bedeutung der heutigen Autobahn 44. Genau dort graben derzeit Archäologen der Stadt Soest nach Zeugnissen vergangener Zeiten. Das Team um Archäologieleiterin Julia Ricken und Grabungsleiter Tristan Altenhoff untersucht ein Privatgrundstück an dieser wichtigen Ost-West-Verbindung im Vorfeld eines geplanten Bauvorhabens. Die Wissenschaftler suchen in ungestörten Bodenschichten nach Spuren des mittelalterlichen Soests, die noch nicht durch moderne Eingriffe verändert wurden.
Erste Funde aus dem 12. Jahrhundert in Soest entdeckt
Bereits in der ersten Grabungswoche stießen die Forscher auf interessante Entdeckungen. In den Resten jahrhundertealter Abfallgruben fanden sie Keramikscherben sowie Knochen eines Pferdes und eines Hausschweins. Die ältesten Fundstücke stammen höchstwahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert, während jüngere Funde aus dem 18. und 19. Jahrhundert datieren. Gebäudereste konnten die Archäologen bisher jedoch nicht freilegen. Dies deutet darauf hin, dass das Areal seit dem Mittelalter als Hof- oder Gartenfläche genutzt wurde, möglicherweise mit kleineren Wirtschaftsgebäuden, die zu einem benachbarten Wohngebäude gehörten.
Stadtgeschichte Stück für Stück zusammensetzen
Für Archäologieleiterin Julia Ricken sind diese Erkenntnisse weitere wichtige Mosaiksteine der Soester Stadtgeschichte. Die Osthofenstraße wurde vermutlich spätestens ab dem 12. Jahrhundert besiedelt, als Soest über den ottonischen Stadtkern hinauswuchs. Die Besiedlung erfolgte auf klassische mittelalterliche Weise mit Wohngebäuden am Straßenrand und dahinterliegenden Gärten sowie Wirtschaftsgebäuden. Die Bewohner entsorgten ihren Alltagsmüll in den nun entdeckten Abfallgruben, die den Forschern heute wertvolle Einblicke in das Leben der damaligen Zeit geben.
Bauarbeiten folgen nach Abschluss der Grabung
Die archäologische Grabung auf dem Grundstück an der Osthofenstraße wird noch etwa eineinhalb Wochen andauern. Anschließend übernehmen die Bauunternehmen das Gelände und errichten dort ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt sieben Wohneinheiten. Bis dahin haben die Archäologen noch Zeit, weitere Geheimnisse der mittelalterlichen Verkehrsachse zu entdecken.