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Fußball-Nationalmannschaft: Abschlusstraining
© Federico Gambarini/dpa
Jürgen Klopp stellt sich beim Abschlusstraining spontan für Reporterfragen.
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Klopps Adrenalin-Kick gegen Oranje als «Lektion eins»

87 Tage nach dem WM-Tiefpunkt hoffen die Fans auf ein Erweckungserlebnis beim Debüt des neuen Bundestrainers. Gegen Erzrivale Niederlande geht's «direkt zur Sache», weiß Jürgen Klopp

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Fußball-Nationalmannschaft

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Herzogenaurach/Amsterdam (dpa) - Blendend gelaunt, voller Energie und ein flotter Spruch zu seinem ersten Trainer-Konkurrenten Xavi: Jürgen Klopp hat mit einem Spontan-Interview im sonst streng geheimen Abschlusstraining mal wieder alle verblüfft. Vor seinem brisanten Länderspiel-Debüt demonstrierte er eindrucksvoll die neue gute Laune bei der Nationalmannschaft. 

«Die Jungs haben alle Lust, also dementsprechend empfinden wir Aufbruch», sagte Klopp vor dem Abflug nach Amsterdam. Er weiß genau, was ihn am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) im Prestigeduell mit den Niederlanden erwartet. Und er freut sich darauf, mit jeder Phase seines Körpers. «In Amsterdam habe ich nicht von vielen Freundschaftsspielen gehört. Also, da geht es direkt zur Sache», sagte der 59-Jährige. 

 

Kein Stöhnen über die knifflige Auftaktprüfung, nein, ein Jürgen Klopp packt an. Und einen intensiveren Adrenalin-Kick als mit dem Klassiker gegen Deutschlands Fußball-Erzrivalen hätte er sich wohl kaum ausmalen können für sein erstes Spiel als Bundestrainer. «Ich wüsste gar nicht, gegen wen ich lieber spielen würde. Brettstarker Gegner, neuer Trainer», sagte Klopp. 

Und fügte mit seinem typischen Kratzbürsten-Charme an: «Ich kenne mehr Spieler von Holland persönlich als Xavi. Ob das ein Vorteil ist, weiß ich nicht. Ein Fakt ist es trotzdem», sagte Klopp und erntete dafür wieder einmal viele Lacher.

Holland verkloppen - das wär's

Holland sinnbildlich verkloppen! Das wär's doch zum Start in eine strahlende Zukunft, die sich die deutschen Fans so sehr wünschen exakt 87 Tage nach dem nächsten WM-Tiefpunkt gegen Paraguay in den USA. 

In der Johan Cruyff Arena beginnt der Aufbruch in eine neue Zeit. Ein Erweckungserlebnis wird erwartet in Spiel eins unter dem 13. Bundestrainer. Natürlich wünscht sich Klopp einen Auftaktsieg. Der gelang jedem seiner fünf Vorgänger (Völler, Klinsmann, Löw, Flick, Nagelsmann) in diesem Jahrhundert.

Denn die Aufbruchstimmung, die er entfacht hat, muss schnell mit Ergebnissen unterfüttert werden. Es geht dem neuen DFB-Chefcoach aber gleichzeitig auch um die Art und Weise, um Willen, um Leidenschaft, um Teamgeist. Klopp-Teams brennen. Klopp-Teams rennen. Klopp-Teams reißen die Menschen mit. 

Erstes Lernziel: «Spaß unter Druck haben»

Er selbst nennt es «Lektion eins für unsere gemeinsame Zukunft: Wir lernen, Spaß unter Druck zu haben». Zupacken. Nicht kneifen. Brust raus. «Wenn Druck da ist, dann geht's um was. Wenn Druck da ist, dann weiß man, dass es wirklich wichtig ist in dem Moment. Dann ist es einfacher, sich voll zu fokussieren.»

Nur zwei Trainingseinheiten hatte er mit seinem ersten, 24 Spieler starken Kader vor dem Nations-League-Auftakt gegen Oranje. Im Homeground von Herzogenaurach war auf Anhieb diese ansteckende Liebe zum Fußball zu spüren, die Klopp so intensiv vorlebt, dass sie auf alle anderen abfärbt.

Der Kapitän spürt eine Anfangseuphorie»

«Wir wissen, dass wir jetzt aus einer nicht so einfachen Situation kommen. Mit einem neuen Trainer hat man natürlich immer eine gewisse Anfangseuphorie», sagte Kapitän Joshua Kimmich im RTL/Sky-Interview. «Für uns wird es wichtig sein, unsere eigene DNA und unsere Identität wiederzufinden.»

Vier Partien in elf Tagen, das sind für Klopp im Expresstempo exakt so viele wie unter Julian Nagelsmann bei der desaströs verlaufenen WM. Als Klopp die mauen Auftritte des viermaligen Weltmeisters Deutschland in Amerika als TV-Experte einordnete und - «noch» - sein Vorgänger die Aufstellung machte. 

Jetzt macht sie tatsächlich Klopp. Mutiger, innovativer, schlüssiger soll sie sein. Auch wenn er in seinen XXL-Kader mit noch 43 Akteuren viele neue Gesichter gepackt hat, dürfte die erste Startelf einen starken WM-Anstrich haben. 

Eine Achse um Mittelfeld-Chef Kimmich

«Eine Mannschaft braucht Stabilität, braucht eine Achse. Wenn die Achse stabil ist, dann kann man außen rum auch ein bisschen spinnen und verrückt sein und ganz viel Jugend dazu mischen. Dann geht das», erläuterte Klopp.

Also: Rückkehrer Marc-André ter Stegen im Tor. Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck im Abwehrzentrum. Davor Kimmich im zentralen Mittelfeld. Da, wo der Kapitän für den Nagelsmann-Nachfolger hingehört. Dazu als weitere WM-Fahrer Felix Nmecha, Jamal Musiala und vorne Kai Havertz. 

Treu, Schade, Adeyemi - Chance für Power-Kicker 

«Wir haben uns schon noch relativ stark an der Weltmeisterschaft orientiert, eine eingespielte Mannschaft, in der sich die Spieler kennen», erklärte Klopp. Um die Arrivierten herum kann Klopp die Jungen anordnen, den Freiburger Länderspiel-Neuling Philipp Treu und WM-Entdeckung Nathaniel Brown auf den Außenverteidiger-Positionen. Und womöglich Kevin Schade und Karim Adeyemi als offensive Turbo-Außen für den typischen Klopp'schen Power-Fußball. Hohes Pressing, sehr viel Energie und Tempo - so wie beim FC Liverpool. 

Wer beim neuen Bundestrainer eine Zukunft haben will in Richtung EM 2028 und WM 2030, muss seinen Weg konsequent mitgehen. Es dürfe am Anfang auch mal «wild» zugehen auf dem Platz, sagte Klopp. Sogar eine Spur Chaos preist er in der Startphase ein. Nur: «Lebendig muss es sein.»

Defensive Stabilität als erster Leitsatz

Die Arbeit gegen den Ball, gegen den Gegner, sie wird zum ersten Leitsatz. «Ich bleibe dabei: Fußballerische Qualität wird dann sichtbar, wenn eine Mannschaft eine Stabilität hat im Defensivverhalten. Das ist das Trampolin, das ist das Fangnetz, das man braucht», predigte Klopp an den ersten Tagen: «Wenn du nur an die Offensive denkst, wird dich die Defensive immer killen.»

Über zwei Jahre stand Klopp nicht mehr am Spielfeldrand, nicht mehr in der Coaching Zone, in der er Emotionen auszuleben weiß wie kaum ein anderer. Holland gegen Deutschland ist gleich das Topspiel der Nations-League-Gruppe 2. 

Es ist aber auch die Kraftprobe zweier WM-Verlierer - und darum auch eine von zwei neuen Trainern: Xavi Hernández als Bondscoach, Klopp als Bundestrainer. Und der versprach: «Ich gehe für die Jungs durchs Feuer. Wenn die Jungs alles geben, bin ich für Niederlagen verantwortlich - ohne Wenn und Aber.»

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© dpa-infocom, dpa:260923-930-731111/2
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Fußball-Nationalmannschaft: Training
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«Spaß unter Druck», den sollen Deutschlands Fußballer ausstrahlen.
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Sein Tempo passt ideal zum Klopp-Fußball: Karim Adeyemi.
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Viele neue Gesichter um Hennes Behrens, Younes Ebnoutalib und Phillip Treu.
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