
Verpflichtender Hundeführerschein: Meinungen aus dem Kreis Soest
Die SPD im NRW-Landtag will, dass neue Hundebesitzer künftig verpflichtend einen zweitägigen Kurs absolvieren - unterstützt von TV-Hundetrainer Martin Rütter. Was halten eine Hundetrainerin und die Leiterin des Tierheims Soest davon?
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Alle Infos auf einen Blick
- SPD NRW und Martin Rütter fordern einen Pflicht-Kurs für neue Hundebesitzer
- Geplant ist ein zweitägiger Wochenendkurs mit Basiswissen rund um den Hund
- Durchführen sollen die Kurse laut SPD die Tierheime
- Einen gesetzlichen Hundeführerschein gibt es bereits in Niedersachsen und seit Juli auch in Bremen
- Hundetrainerin und Tierheim-Leiterin aus dem Kreis Soest sehen das Konzept mit gemischten Gefühlen
Was die SPD plant
Die SPD-Fraktion im NRW-Landtag fordert einen sogenannten Sachkundenachweis - im Volksmund Hundeführerschein - für alle, die sich in NRW neu einen Hund zulegen. In einem zweitägigen Wochenendkurs soll Basiswissen vermittelt werden. Auch Ernährung, Kosten und Verhalten sollen Thema sein. Durchgeführt werden sollen die Kurse laut SPD von Tierheimen. TV-Hundetrainer Martin Rütter hat das Konzept mitentwickelt.
Was ein Hund wirklich kostet
Ott betonte außerdem, wie teuer ein Hund über sein Leben werden kann: Ein 14-jähriger Hund koste zwischen 17.500 und 20.000 Euro - und das nur, wenn er nicht ernsthaft erkrankt. Im Krankheitsfall kann es deutlich mehr werden.
Hundetrainerin aus dem Kreis Soest: Grundsätzlich eine gute Idee
Jessica Pieche ist zertifizierte Hundetrainerin im Kreis Soest. Sie steht einem Hundeführerschein offen gegenüber, wenn er gut gemacht ist:
„Wenn das wirklich gut strukturiert gemacht wird und auch die richtigen Sachen gefragt werden und das Richtige gezeigt wird, kann das eine Bereicherung für jeden Hund sein - der vielleicht sogar aus dem Tierschutz kommt - und auch für jeden Hundehalter, um sich im Nachhinein vielleicht Kosten für Hundeschule und Tierarzt zu ersparen." - Jessica Pieche, zertifizierte Hundetrainerin im Kreis Soest
Den Teil des Konzepts, dass die Kurse von Tierheimen durchgeführt werden sollen, sieht sie allerdings kritisch:
„Ich befürchte, dass das für die Tierheime ein enormer Mehraufwand sein wird. Allein schon diese Tests durchzuführen, die Kosten, die dadurch entstehen - die brauchen ja auch wirklich Fachpersonal, das sich damit beschäftigt hat. Und ich glaube auch, dass die Tierheime damit einfach total überlastet werden. Das Problem wird, glaube ich, dadurch noch verschlimmert werden." - Jessica Pieche, zertifizierte Hundetrainerin im Kreis Soest
Tierheim Soest: Mehr aus der Reserve locken
Nadine Alex leitet das Tierheim in Soest. Auch sie ist beim Thema gespalten - findet aber, dass der Hundeführerschein einen wichtigen Effekt haben könnte:
„Den Hundeführerschein finde ich gut - dass viele so ein bisschen mehr aus der Reserve gelockt werden und nicht einfach hingehen und sagen: Den nehme ich jetzt mit, der ist jetzt bei mir zu Hause. Sodass man sagt: Okay, nein, wir müssen erst mal das und das belegen. Fände ich auch gut für Kinder, dass die direkt damit aufwachsen und lernen, dass jedes Tier eine gewisse Verantwortung mit sich bringt." - Nadine Alex, Leiterin des Tierheims Soest
Für sie ist aber klar, was am Ende entscheidend ist, egal ob Führerschein oder nicht:
„Wenn man sich einen Hund anschafft - ob beim Züchter, im Tierheim oder aus dem Tierschutz - muss man Geduld mitbringen. Weil jeder Hund, wie ein Kind auch, mehrere Phasen hat: Welpenalter, Pubertät, Seniorenalter - und da muss man dranbleiben." - Nadine Alex, Leiterin des Tierheims Soest
In zwei Bundesländern schon Pflicht
Einen gesetzlich verpflichtenden Hundeführerschein gibt es in Deutschland bereits in Niedersachsen und seit Juli dieses Jahres auch in Bremen. In NRW ist er bisher eine politische Forderung - ob und wann daraus ein Gesetz wird, ist noch offen.