
Vertrauliche Spurensicherung: Neues Angebot in Lippstadt
Das Klinikum Lippstadt bietet seit Anfang Juni eine vertrauliche Spurensicherung für Betroffene sexualisierter Gewalt an. Verletzungen werden dort ärztlich dokumentiert und Tatspuren gerichtsfest gesichert - ganz ohne vorherige Anzeige bei der Polizei.
Veröffentlicht: Freitag, 05.06.2026 10:13
Spurensicherung in Lippstadt
Nach sexualisierter Gewalt fällt vielen Betroffenen der Gang zur Polizei zunächst schwer. Scham, Angst und der Schock der Tat können dazu führen, dass wichtige Beweise verloren gehen - und damit auch die Möglichkeit, später noch rechtliche Schritte einzuleiten. Im Kreis Soest gibt es dafür seit Anfang Juni 2026 eine neue Anlaufstelle: Das Klinikum Lippstadt am Standort Wiedenbrücker Straße bietet eine vertrauliche Spurensicherung an, die sich zunächst an Frauen richtet.
Beweise sichern - ohne sofortige Anzeige
Betroffene können sich im Klinikum Lippstadt von ärztlichem Personal untersuchen lassen, ohne vorher eine Anzeige bei der Polizei gestellt zu haben. Verletzungen werden dokumentiert, Tatspuren gesichert. Die gesammelten Beweise können später in einem Strafverfahren verwendet werden. Ob und wann eine Anzeige erstattet wird, entscheiden ausschließlich die Betroffenen selbst - ohne Zeitdruck.
„Das Erleben sexualisierter (häuslicher) Gewalt bringt Menschen häufig in eine seelische Ausnahmesituation, in der sie handeln sollten, es aber oft aus Gründen wie Scham oder Traumatisierung nicht können. Die Folge: Nur ein Bruchteil der Täter oder Täterinnen wird angezeigt, Beweise für erlittene Taten werden nicht gesichert." - Dr. Margitta Neufeld, ärztliche Leiterin des Kreisgesundheitsamts.
Speziell geschultes Personal
Die Ärztinnen und Ärzte der Gynäkologie-Abteilung am Klinikum Lippstadt haben für das Angebot spezialisierte Schulungen absolviert. Dabei geht es um die Arbeit mit dem sogenannten "intelligenten Gewaltopfer-Beweissicherungs- und -Informationssystem" - kurz: einem standardisierten System, mit dem Spuren so dokumentiert werden, dass sie vor Gericht als Beweismittel anerkannt werden können. Das Angebot ist ein gemeinsames Projekt der Kreiskooperationsrunde "Häusliche Gewalt und Kinderschutz" des Kreises Soest, in der Akteurinnen und Akteure aus Jugendhilfe, Gesundheits- und Sozialbereich, Justiz, Beratungsstellen, Gleichstellungsstellen, Frauenhilfe und Polizei zusammenarbeiten.
Weitere Anlaufstellen im Kreis Soest geplant
Das Angebot soll künftig ausgebaut werden. Ein Angebot für männliche Betroffene befindet sich derzeit im Aufbau. Außerdem ist bereits ein weiterer Standort in Planung: Am Christlichen Klinikum Soest-West soll ebenfalls eine vertrauliche Spurensicherung eingerichtet werden. Koordiniert wird der Ausbau über das Netzwerk "Vertrauliche Spurensicherung (VSS)", das regelmäßig einen fachlichen Austausch zwischen den beteiligten Stellen organisiert. Wer sich über das Angebot informieren möchte, findet Antworten auf häufige Fragen - etwa zum genauen Ablauf oder zu weiteren Unterstützungsangeboten - auf der Website