
Wahl in Berlin
Berlin (dpa) - Elif Eralp stand in der Berliner Landespolitik lange in der zweiten Reihe. Als Linke-Spitzenkandidatin hat sie ihre Partei in der Hauptstadt nun durch den Wahlkampf geführt - mit dem festen Ziel vor Augen, Berlins erste linke Regierungschefin zu werden - und die erste mit türkischen Wurzeln.
«Wenn ein Linker in New York gewinnen kann, dann genauso gut in Berlin», sagte Eralp im November zum Wahlerfolg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der Bürgermeisterwahl in der US-Metropole. Wie weit das Beispiel New York trägt, ist seitdem oft diskutiert worden.
Eralp hat sich von Mamdanis Erfolg zumindest inspirieren lassen. Zu Beginn des Berliner Wahlkampfs war die 45-Jährige nahezu unbekannt. Die Linke-Strategie, an möglichst vielen Berliner Türen zu klingeln, hat Eralp von Anfang an ausdrücklich unterstützt. Auf Social-Media-Kanälen warb sie unermüdlich für sich und ihre Partei - auch in verschiedenen Sprachen und meistens gut gelaunt.
Geboren in München
Politik habe schon immer zu ihrem Leben gehört, sagte sie über sich selbst. Ihre Eltern flohen als Sozialisten und Gewerkschafter nach dem Militärputsch aus der Türkei - ihre schwangere Mutter mit ihr im Bauch. Geboren wurde Eralp 1981 in München.
Später lebte sie in Dortmund und Hamburg. Schon als Kind ging sie oft mit auf Demonstrationen und engagierte sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung. In Hamburg studierte sie Jura - erstes und zweites Staatsexamen samt Prädikat inklusive.
Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin. Dort arbeitete sie ab 2010 zunächst als Referentin für Rechtspolitik der Linke-Bundestagsfraktion. Von 2018 bis 2023 war Eralp Mitglied im Linke-Landesvorstand.
Eralp will sich mit den Immobilienkonzernen anlegen
Seit 2021 gehört sie dem Abgeordnetenhaus an und ist dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Bei Debatten im Landesparlament fiel die Politikerin regelmäßig durch ihren manchmal scharfen Tonfall und Attacken vor allem gegen die CDU auf.
Auch im Wahlkampf setzte die Linke-Politikerin auf deutliche Worte. «Berlin kann zum Zentrum des Widerstands gegen den sozialen Kahlschlag und gegen den Rechtsruck werden.» Oder auch: «Wir sind bereit, uns mit den Immobilienkonzernen anzulegen.»
«Das Rote Rathaus muss endlich wirklich rot werden», forderte sie. Bei Wahlkampfveranstaltungen sprach Eralp mit großer Verlässlichkeit soziale Themen wie hohe Mieten und hohe Lebenshaltungskosten an.
Eralp kündigte an, «jeden verdammten Hebel umlegen» zu wollen, um Berlin bezahlbar für alle zu machen. Große Wohnungsunternehmen will sie enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen. Regelmäßig war sie in den vergangenen Monaten mit einer kleinen Kette mit dem Schriftzug «Mietendeckel» zu sehen.
Berlin soll ein Ort der Hoffnung sein
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen, bei der die AfD mit Abstand stärkste Partei wurde, kündigte Eralp mit Blick auf Berlin an: «Ich will die Hauptstadt zum Ort der Hoffnung und Solidarität machen. Ich bin die Antwort auf Sachsen-Anhalt.»
Vor allem die CDU hielt der Berliner Linke immer wieder vor, Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht klar genug entgegenzutreten. Von Grünen und SPD forderten die Christdemokraten deshalb, nicht mit den Linken zu koalieren.
Eralp räumte im Wahlkampf ein, es gebe auch innerhalb ihrer Partei Antisemitismus, versicherte aber auch: «Die ganz große Mehrheit der Partei steht ganz klar für den Schutz von jüdischem Leben und die Stärke von jüdischem Leben.»
Sie sucht seit Jahren eine größere Wohnung in Berlin - ohne Erfolg
Eralp wohnt zur Miete - und sucht nach eigenen Angaben für sich und ihre Familie seit Jahren ohne Erfolg eine größere Wohnung. Wohnungsmangel und hohe Mieten sind in Berlin ein chronisches Problem.
Beim Dauerstreitthema Enteignung großer Wohnungsunternehmen sprach sich Eralp immer wieder für die Umsetzung des erfolgreichen Volksentscheids von 2021 aus, in dem sich 56,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Enteignung großer Immobilienunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen aussprachen. Daran gab es von vielen Seiten und auch aus der SPD deutliche Kritik.
«Mir geht es darum, ab Tag eins daran zu arbeiten», sagte Eralp im Wahlkampf, räumte aber ein, es sei klar, dass das einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Von Themen wie diesen hängt für Eralp viel ab - und davon, sich mit anderen Parteien darüber zu verständigen. Die Linke hat nur Chancen auf eine Regierungsbeteiligung zusammen mit Grünen und SPD.