
Zuckersteuer: Landwirte im Kreis Soest schlagen Alarm
Der Landwirtschaftliche Kreisverband Soest lehnt die geplante Zuckersteuer klar ab. Gemeinsam mit dem Kreisverband Ruhr-Lippe haben die Vorsitzenden die Bundestagsabgeordneten der Region aufgefordert, das Vorhaben zu stoppen. Die Steuer auf süße Getränke soll ab Juli 2027 gelten - und trifft laut den Verbänden nicht nur die Verbraucher, sondern auch die heimische Landwirtschaft.
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Brief an die Abgeordneten
Der Landwirtschaftliche Kreisverband Soest und der benachbarte Kreisverband Ruhr-Lippe machen gemeinsam Front gegen die geplante Zuckersteuer. Die Vorsitzenden Josef Lehmenkühler und Thomas Döring haben sich in einem Schreiben direkt an die Bundestagsabgeordneten der Region gewandt. Sie bitten die Abgeordneten, sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren gegen die Steuer einzusetzen und das Vorhaben zurückzuziehen. Die Bundesregierung hatte die Zuckersteuer diese Woche auf den Weg gebracht.
Sorge um den Zuckerrübenanbau
Für die Landwirte in der Region geht es auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Der Zuckerrübenanbau hat in der Hellwegregion eine lange Tradition und ist für viele Betriebe ein wichtiger Einkommensbaustein.
"Der Zuckerrübenanbau ist in der Hellwegregion ein wichtiger Bestandteil vieler Höfe. Durch die Verarbeitung der Rüben in heimischen Zuckerfabriken bestehen enge Verbindungen zwischen Landwirtschaft und regionaler Wirtschaft. Der Anbau trägt zur Wertschöpfung vor Ort bei und ist zugleich Teil einer vielfältigen Fruchtfolge" - Josef Lehmenkühler, Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband Soest.
Sollte die Zuckersteuer die Nachfrage nach zuckerhaltigen Getränken dauerhaft senken, könnte das laut Verband langfristig auch den Absatz von heimischem Zucker beeinflussen, mit Folgen für Betriebe und die gesamte regionale Wertschöpfungskette.
Zweifel an der Gesundheitswirkung
Neben den wirtschaftlichen Bedenken zweifeln die Verbände auch daran, ob die Steuer tatsächlich zu einer gesünderen Ernährung führt. Ein möglicher Nebeneffekt: Wenn Hersteller Zucker verstärkt durch Süßstoffe ersetzen, ist das aus Sicht der Verbände kein echter Gewinn für die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Süßstoffe nicht zur langfristigen Gewichtskontrolle. Statt Rezepturen steuerlich zu verändern, sollte nach Ansicht der Kreisverbände die Förderung von Ernährungswissen im Mittelpunkt stehen.
"Wer eine Steuer mit der Gesundheit begründet, darf daraus nicht einfach einen Griff in den Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger machen" - Josef Lehmenkühler, Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband Soest.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Einnahmen aus der Steuer fließen in den allgemeinen Staatshaushalt und sind nicht für Gesundheitsförderung oder Ernährungsprävention zweckgebunden. Für die Verbände entsteht dadurch der Eindruck, dass die Steuer weniger der Gesundheit dient als vielmehr dazu, Haushaltslücken zu schließen.
Rückendeckung vom Bauernverband
Mit ihrer Kritik stehen die Kreisverbände nicht allein. Auch auf übergeordneter Ebene regt sich Widerstand. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, und der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hubertus Beringmeier, lehnen die Zuckersteuer ebenfalls ab. Beide warnen vor zusätzlichen Belastungen für Verbraucher und Wirtschaft sowie vor Folgen für die Landwirtschaft. Zudem sehen die Kreisverbände die Steuer im Widerspruch zum Koalitionsvertrag, der auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung setzt.
Forderung: Eigenverantwortung stärken
Die Kreisverbände machen deutlich, was sie stattdessen wollen: keine Bevormundung durch Steuern, sondern bessere Aufklärung. Nachhaltige Gesundheitsprävention müsse auf Ernährungsbildung und bewusste Entscheidungen setzen.
"Wir müssen bei politischen Entscheidungen auch im Blick behalten, was sie für unsere landwirtschaftlichen Familien und die heimische Zuckererzeugung bedeuten" - Josef Lehmenkühler, Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband Soest.