
Bombenverdacht in Lippstadt-Lipperbruch: Evakuierung?
In Lipperbruch werden drei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten rund 2100 Menschen ihre Häuser verlassen. Schulen, Kita und ein Altenheim wären direkt betroffen.
Veröffentlicht: Dienstag, 19.05.2026 04:15
Große Evakuierung wegen Blindgänger-Verdacht möglich
In Lippstadt-Lipperbruch könnten an drei Stellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegen. Heute, Dienstag (19. Mai 2026), untersucht der Kampfmittelräumdienst die Verdachtspunkte genauer. Sollte sich der Verdacht bestätigen, steht morgen, Mittwoch (20. Mai 2026), eine groß angelegte Evakuierung bevor. Rund 2100 Menschen wären betroffen.
Wo liegen die Verdachtspunkte?
Die möglichen Blindgänger befinden sich nach Angaben der Stadt in der Ringstraße und am Försterweg in Lipperbruch. Der tiefste Verdachtspunkt liegt demnach in etwa fünf bis sechs Metern Tiefe. Entdeckt wurden die Stellen im Zuge geplanter Baumaßnahmen. Luftbildauswertungen und anschließende Sondierungen haben laut Stadt ergeben, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten. Welche Art von Bomben tatsächlich im Boden steckt, ist aktuell noch unklar. Das kann erst festgestellt werden, wenn die Stellen freigelegt werden.
So läuft die Prüfung ab
Der Kampfmittelräumdienst arbeitet die Verdachtspunkte heute zunächst frei. Dabei wird an den Stellen vorgebuddelt, damit die Experten die möglichen Kampfmittel genauer untersuchen können. Joachim Elliger, Leiter des Krisenstabs der Stadt Lippstadt, erklärt:
"Es wird quasi bis auf eine bestimmte Tiefe am Tag vorher gebuddelt. Und wenn dann freigelegt wurde und festgestellt wurde, was es genau ist, was dort liegt, dann wird auf den Knopf gedrückt und dann wird evakuiert bzw. auch spätestens dann gesperrt."
Also: Erst wenn der Kampfmittelbeseitigungsdienst tatsächlich Bomben bestätigt, startet die Evakuierung.
Wann würde evakuiert?
Nach aktuellem Stand könnte sich im Laufe des Mittwochvormittags entscheiden, ob evakuiert werden muss. Sobald eine Evakuierung angeordnet wird, beginnt sie laut Stadt sofort. Für die Räumung des gesamten Sperrbereichs werden etwa zwei bis drei Stunden eingeplant.
Die eigentliche Entschärfung beginnt erst, wenn alle Menschen den Gefahrenbereich verlassen haben. Wie lange der gesamte Einsatz dauert, kann derzeit noch niemand abschätzen.
Diese Einrichtungen sind betroffen
Im möglichen Sperrgebiet liegen mehrere wichtige Einrichtungen:
- eine Kita
- eine Grundschule
- ein Gymnasium
- eine Altenpflegeeinrichtung
Die betroffenen Schulen bieten am Mittwoch Distanzunterricht an. Die Kita bleibt geschlossen. Besonders aufwendig ist die geplante Evakuierung des Altenheims. Sie soll am Mittwoch ab 8 Uhr beginnen. Bewohner werden unter anderem ins Klinikum Lippstadt sowie in Altenheime nach Paderborn gebracht. Krisenstabsleiter Joachim Elliger sagt uns dazu:
"Das war eine relativ aufwendige Planung. Die dort beheimateten Bewohner mussten in umliegende Seniorenwohnheime - wo wir Gott sei Dank Plätze gefunden haben -, ins Klinikum Lippstadt und auch nach Paderborn verbracht werden. Das ist sehr umfangreich und zeitaufwendig."
Wo können Anwohner hin?
Für Betroffene richtet die Stadt die Schützenhalle in Lipperode als zentrale Anlaufstelle ein. Dort werden Getränke und Snacks angeboten. Haustiere dürfen ebenfalls mitgebracht werden. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es dort allerdings nicht.
Außerdem richtet die RLG einen Shuttlebus ein. Abfahrtsstellen sind:
- Mastholter Straße / Lippischer Bruch
- Ostlandstraße (Parkplatz Netto)
- Richthofenstraße / Mastholter Straße
Was sollten Betroffene mitnehmen?
Die Stadt empfiehlt, wichtige Dinge griffbereit zu haben. Dazu gehören:
- wichtige Dokumente
- Medikamente
- persönliche Gegenstände
- Bargeld oder digitale Zahlungsmittel
Menschen mit besonderem Hilfebedarf konnten sich vorab bei der Stadt melden. Für sie werden Transport und Unterbringung organisiert.
Welche Straßen und Buslinien betroffen sind
Welche Straßen genau gesperrt werden, zeigt eine Karte der Stadt Lippstadt. Die Sperrungen sollen voraussichtlich ab 11 Uhr gelten.
Auch im Busverkehr gibt es Einschränkungen. Betroffen sind die Linien 80 und C4. Laut RLG könnten zwischen 4 Uhr morgens und 23:55 Uhr fast alle Haltestellen in Lipperbruch ausfallen. Ausnahme ist die Haltestelle „Freiberger Straße“.
So informiert die Stadt
Im Falle einer Evakuierung informiert die Stadt unter anderem über:
- die Warn-App NINA
- Cell Broadcast
- Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr
- Social Media
- die Internetseite der Stadt
- lokale Medien
Außerdem werden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt die betroffenen Häuser aufsuchen. Mindestens 150 Einsatzkräfte sind laut Stadt an dem Einsatz beteiligt.
Was passiert, wenn eine Bombe nicht entschärft werden kann?
Sollte ein Blindgänger nicht entschärft werden können, prüft der Kampfmittelbeseitigungsdienst weitere Maßnahmen. Möglich wäre dann auch eine kontrollierte Sprengung. Wann Anwohner wieder zurück in ihre Wohnungen können, hängt vom Verlauf des Einsatzes ab. Erst wenn der Gefahrenbereich vollständig freigegeben ist, dürfen Menschen zurückkehren. Hellweg Radio hält euch auf dem Laufenden!
Bericht: Ben Hettwer / Friederike Umminger
