Anzeige
Horrorhaus-Prozess: 300 Menschen demonstrieren in Soest
© Hellweg Radio/ Alyssa Geppert
Demonstrationszug in Soester Innenstadt gegen Gewalt an Frauen
Teilen:

Horrorhaus-Prozess: 300 Menschen demonstrieren in Soest

Rund 300 Menschen sind am Montag (12.10.2026) in Soest auf die Straße gegangen - als Zeichen gegen Gewalt an Frauen und aus Solidarität mit der Betroffenen im Horrorhaus-Fall. Der Demonstrationszug führte vom Bahnhof zum Marktplatz. Bemerkenswert: Die Organisatorinnen hatten erst eine Woche vorher zur Demo aufgerufen.

Veröffentlicht:

Anzeige

Demo-Zug vom Bahnhof zum Marktplatz

Anzeige

Am Montagnachmittag (12.10.2026) haben rund 300 Menschen in Soest gegen Gewalt an Frauen demonstriert. Um 16 Uhr startete der Zug am Soester Bahnhof und führte durch die Innenstadt bis zum Marktplatz. Organisiert hatten die Kundgebung Sarah Gonschorek von den Grünen im Kreis Soest sowie das Frauennetzwerk Kreis Soest.

Anzeige

Hintergrund: Prozess zum Horrorhaus startet

Anzeige

Anlass für die Demonstration war der Prozessauftakt am Landgericht Arnsberg. Angeklagt sind zwei Männer und zwei männliche Jugendliche im Alter zwischen 16 und 29 Jahren. Sie sollen eine ehemals obdachlose Frau zwischen Juli und November 2025 in einem Reihenhaus im Soester Süden über Monate schwer misshandelt haben. Zu den Vorwürfen gehören gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung - zwei Angeklagten wird zudem Vergewaltigung vorgeworfen. Am ersten Verhandlungstag wurde die Anklageschrift verlesen.

Anzeige

Solidarität mit einer Frau, die keine Stimme hat

Anzeige

Ronja Griese und Julia Ilmer vom Frauennetzwerk Kreis Soest zeigten sich nach der Demo bewegt. Die Teilnehmerzahl hatte die Erwartungen der Organisatorinnen übertroffen.

„Wie schön, dass es so viele Menschen gibt, die Haltung zeigen und die Solidarität zeigen mit einer Frau, die sich selbst keine Stimme geben kann." - Ronja Griese, Frauennetzwerk Kreis Soest

Auch Sarah Gonschorek, die am Morgen noch den Prozessauftakt in Arnsberg verfolgt hatte, zog eine klare Bilanz.

„Die Bilanz für den Tag ist, dass viele in Soest auf die Straße gegangen sind und das finde ich wirklich richtig gut, weil es war ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen, es war ein Zeichen von Solidarität und vor allen Dingen hat es nochmal gezeigt, dass es den Leuten nicht egal ist." - Sarah Gonschorek, Grüne Kreis Soest
Anzeige

"Kein Einzelfall" - Gewalt gegen Frauen als strukturelles Problem

Anzeige

SPD-Politikerin Sarah Philip, die auf der Kundgebung gesprochen hatte, betonte nach der Demo den strukturellen Charakter des Problems. Der Fall im Soester Horrorhaus sei kein Ausnahmefall, sondern ein Beispiel für ein gesamtgesellschaftliches Thema.

„Es ist kein Einzelfall, weil solche Taten oder ähnliche Taten, Gewalt gegen Frauen, Herabwürdigung von Frauen jeden Tag passiert, überall passieren kann und auch niemand davor geschützt ist und es gibt de facto keine Gleichstellung zwischen Mann und Frau." - Sarah Philip Vorsitzende SPD in NRW
Anzeige

Klare Forderungen an die Politik

Anzeige

Das Frauennetzwerk Kreis Soest kam nicht nur mit Solidarität, sondern auch mit konkreten politischen Forderungen.

„Es reicht nicht, wenn so etwas passiert ist, Betroffenheit zu zeigen. Sondern es muss im Vorhinein ein Plan geschmiedet werden, dass auch in der Prävention gearbeitet wird." - Ronja Griese, Frauennetzwerk Kreis Soest

Die Forderungen im Einzelnen: ein verbindlicher nationaler Aktionsplan gegen Antifeminismus und Gewalt gegen Frauen, mehr und verlässlicher Gewaltschutz unabhängig von der sozialen Situation der Betroffenen sowie der Ausbau und die dauerhafte Finanzierung von Schutzangeboten. Außerdem fordern die Organisatorinnen konsequente Prävention bereits in Kindheit und Jugend, spezialisierte Staatsanwaltschaften sowie Fortbildungen für Richterinnen und Staatsanwälte. Und: Frauen, die Gewalt erlebt haben, müssten im Mittelpunkt stehen - mit Zugang zu Schutz, Unterstützung und professioneller Beratung.

Anzeige

Wie geht der Prozess weiter?

Anzeige

Der nächste Verhandlungstag am Landgericht Arnsberg ist für den 2. November angesetzt. Dann sollen erstmals Zeugen und Sachverständige gehört werden. Insgesamt sind 14 Prozesstage geplant.

Anzeige
Anzeige
Anzeige